Die erste Wahl einer Frau in ein Bischofsamt der evangelisch-lutherischen Kirche war überfällig und dennoch überraschend. Bis zuletzt hielten konservative Pastoren dagegen. Daß Maria Jepsen dann doch mit klarer Mehrheit in die Männerdomäne einbrechen konnte, verdankt die Hamburger Pröpstin ihrem Wesen. Sie unterscheidet sich deutlich vom politischen Führungstypus, der sich auch unter den Talaren breitmacht. Ungeeignet zu herrschaftlicher Machtausübung, weckt die moderate Feministin Hoffnungen auf eine horizontale Hierarchie, in deren Mitte der Bischof seelsorgerisch dient. Nicht zufällig sendet eine Frau das Signal einer authentisch christlich ausgeübten Vollmacht in die von Vertrauenskrisen geschüttelten kirchlichen Managements.

Die anderen Kirchen, die ihre Ämter noch den Männern reservieren, werden nachziehen. Theologische und anthropologische Argumente gegen die Frauenweihe sind schon weitgehend verstummt. Es bleibt die gewichtige Tradition. Aber auch die kann mit langem Atem verändert werden. Die Hamburger Bischöfin symbolisiert einen ökumenischen Wandel, das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. M.M.

(Siehe auch Seite 22)