Gerhard Lenz, Kunstsammler und Unternehmensberater, geht durch den Autobus und verteilt Äpfel und Bananen. Die Freunde und Kunstfreunde, die zum Abschluß der Ausstellung der „Sammlung Lenz Schönberg“ gekommen sind, werden im Bus durch die Stadt geschaukelt und am Ufer der Weichsel entlang. Vitamine müssen sein. Später natürlich das konzentrierte Angebot der Natur namens Wodka. Gerhard Lenz, ein Sanguiniker, der nicht nur Sprachbarrieren mit Händen und Füßen mühelos überwindet, ist ein geborener Entertainer. Und, wie seine polnische Ausstellungspartnerin versichert, ein ebensolcher Diktator. Und, wie sollte es anders sein, ein Sammler, der die Kunst der Stille und der Introspektion um sich herum braucht. Lenz Schönberg heißt die Sammlung deshalb, weil Gerhard und Anna Lenz eines Tages für sich und die Kunstwerke den Hof Schönberg in der Tiroler Einsamkeit gebaut haben.

Lenz, Mitbegründer des im letzten Jahr eröffneten Sammler-Museums Neue Weserburg in Bremen, hatte 1989 eine Auswahl aus seinen Beständen in Moskau gezeigt – ein abenteuerliches Unternehmen mit schillernden Begleiterscheinungen. Jetzt, wo Literatur und Leben ohne John Le Carré auskommen müssen, waren rund hundert Arbeiten aus dem Hause Lenz in der Galeria Zacheta zu sehen, einem jener alten Ausstellungshäuser mit Stuck und Parkett, deren im Verfall irritierter Würdeanspruch eine gute Atmosphäre schafft gerade für jene zeitgenössische Kunst, die sich als Antwort versteht auf eine irritierte Gegenwart.

Rund 10 000 Besucher haben in fünf Wochen den Raum mit den Feuerbildern und dem großen monochromen Blau von Yves Klein gesehen, Günter Ueckers Nagelbilder, Lucio Fontanas durchstoßene Bleche und Leinwände, Roman Opalkas endlose, schon fast in der Monochromie versinkende Zahlenreihen, Jef Verheyens nur vom Hauch der Erinnerung an die Farben des Regenbogens gestreifte Leinwände und schließlich auch die von Herman de Vries am Boden ausgelegten Quadrate polnischer Erde. Alles das war Neuland für Polen, inklusive der polnischen Erde. Im Fernsehen wurde, Blick in eine ferne Welt, eine Dreiviertelstunde über die Ausstellung berichtet. Daß das Auswärtige Amt sie zu großen Teilen finanziert hat, verdankt der Sammler mit der Lust am Leisen wohl nicht zuletzt dem Unternehmensberater, der, ein Freudianer aus eigener Analyse-Erfahrung, im letzten Jahr ein Buch publiziert hat mit dem Titel „Die Seele des Unternehmens“. P.K.