Eigentlich heißt der Junge Justus. Justus Sallmann. Die Mutti erklärt ihm, was dieser Name bedeutet. Justus heißt „Der Gerechte“. Und „Salmannen“ wurden die alten, germanischen Richter genannt, deren Amtszeichen der Galgenstrick war, gedreht aus Salweidenbast – das Zeichen ihrer Macht über Leben und Tod. Justus Sallmann also – der gerechte Richter.

Im Alltag freilich heißt Justus „Mops“ – seiner Kinderpausbäckchen wegen. Und ein Gerechter ist er auch nicht. Die Zeiten sind nicht so.

Als Mops fünf ist, herrscht Krieg: Im Radio schimpft der Heitler, der abends Heiland heißt und zu dem man vor dem Einschlafen beten muß: Mach, daß bald Frieden wird und Sieg. Amen.

Als Mops zehn ist, geht durch Deutschland eine Demarkationslinie, und beiderseits davon herrscht eine NEUE ORDNUNG: Auf der Ostseite Boden- und Wohnungsreform unter den Augen der Sowjetarmee; auf der Westseite blühende Schwarzmarktgeschäftigkeit, als wäre nichts gewesen. Aber die Unter-den-Teppich-Kehrer sind beiderseits zugange. Aus Justus, dem Ungerechten, wird wohl auch in der NEUEN ORDNUNG kein Gerechter werden: er bleibt Mops, der kleine Mitmacher.

Günter Saalmanns Jugendroman „Mops Eisenfaust“ hat sich Ehrgeiziges, weil Unpopuläres vorgenommen: Erzählt werden sollen Kriegs- und erste Nachkriegszeit aus der Sicht eines ganz durchschnittlichen Volksschulkindes. Mops ist kein Held und kein besonders heller Kopf. Er weiß nicht recht, wie er mit der Welt dran ist. Er weiß nicht recht, was rechtens ist. Wie sollte er auch: Moralisch ist er nicht besser geerdet als der Durchschnittsdeutsche jener Zeit, woher denn.

Die Welt ist verwirrend, alles hat mehrere Namen, sich zurechtfinden ist schwer, die Erwachsenen stecken voller Widersprüche und doppelter Botschaften und sonderbarer Begriffe. Reichsmarschall Göring heißt auch „Meier“, im Osten kämpft ein gewisser „General Winter“ auf Seiten der Feinde, die Stimme im Radio heißt mal Heiland, mal Heitler, mal Heil Hitler – „Vorname Heil, Nachname Hitler“. Die Großen sprechen von „Konzertlagern“, ohne zu erklären, was das ist, und das Kürzel „Stalag“ entschlüsseln sie harmlos mit „Stammlager“.

Mops verbringt die Bombennächte mit seiner Mutti in Köln im Luftschutzkeller und wünscht sich nichts sehnlicher, als Luftschutzmelder beim Luftschutzwart zu werden. Tagsüber wundert er sich manchmal, aber nicht gründlich: etwa über den armen Herrn Salomon, der unter der Kellerstiege haust, bis man ihn abholt, und der auch bei größter Kälte seinen Mantel mit Stern lieber eingeschlagen überm Arm trägt als ihn anzuziehen. Auch ein Brief Vatis von der Ostfront gibt Mops zu denken, aber nicht gründlich: Vati schreibt, daß den deutschen Soldaten beim Vormarsch in Rußland der Westwind ins Gesicht schneidet. Wie das? Mopsens Schluß: Vati muß Ostwind gemeint haben.