Zu „achtzig Prozent“ hat sich der bayerische Autohersteller BMW dafür entschieden, in den Vereinigten Staaten ein neues Werk zu errichten – so steht es in einem Memorandum des US-Generalkonsuls Andrew G. Thoms jr. in München an die amerikanische Botschaft in Bonn. Von ursprünglich 215 möglichen Standorten sollen noch vier übriggeblieben sein und die Kleinstadt Anderson in South Carolina mit 140 000 Einwohnern an der Spitze der Bewerber liegen.

BMW-Chef Eberhard von Kuenheim plant, in dem neuen Werk entweder ein neues Einstiegsmodell oder eine Variante der erfolgreichen 3er Reihe zu produzieren – und zwar nur dort. Das wäre also der erste Typ von BMW nicht made in Germany. BMW betreibt außerhalb Deutschlands nur eine kleinere Montagefabrik in Südafrika und arbeitet in seinen Werken in München, Dingolfing und Regensburg hart an der Kapazitätsgrenze.

Eine Produktionsstätte in den Vereinigten Staaten, wo BMW im vergangenen Jahr 53 000 Wagen verkaufte, würde den Konzern weniger anfällig gegenüber Kursschwankungen des Dollar machen und verspricht außerdem Kostenvorteile. Der BMW-Vorstandsvorsitzende, der eine endgültige Entscheidung bis spätestens Ende Mai anpeilt, hat sich in jüngster Zeit auffallend oft über die hohen Löhne in Deutschland beklagt. Einschließlich Sozialabgaben verdienen BMW-Arbeiter umgerechnet 26 Dollar in der Stunde, arbeiten nur 37 Stunden pro Woche und bekommen sechs Wochen Urlaub. Ihre amerikanischen Kollegen dagegen erhalten knapp 21 Dollar bei vierzig Wochenstunden und vier Wochen Urlaub.

Neben guten Verkehrsverbindungen und kurzen Wegen zu den wichtigen Zulieferern spielt bei der Auswahl des Standorts auch dies eine Rolle: Das neue Werk soll nicht weiter als sieben Zeitzonen vom Stammsitz entfernt sein, damit die Manager auf beiden Seiten des Atlantiks zu vernünftigen Zeiten miteinander kommunizieren können.

Die wegen ihrer Kontakte zum obersten DDR-Devisenbeschaffer Alexander Schalck-Golodkowski in Mißkredit geratene Rosenheimer Familie März will offenbar zeigen, wozu sie unternehmerisch fähig ist: Unter der Aufsicht des Clanchefs Willi März setzt die im Fleisch-, Vieh- und Brauereigewerbe tätige März AG auf eine beispiellose Expansion.

Der 35 verschiedene Firmen umfassende Konzern hat allein im vergangenen Jahr eine Wurstwarenfabrik, ein Milchwerk und vier Brauereien in den neuen Bundesländern erworben. Eine Brauerei kam im alten Bundesgebiet dazu. Und in diesen Tagen erwarben die Rosenheimer in München ein Molkereiunternehmen.

Dem Aufsichtsratschef Willi März macht die Expansion, die im vergangenen Jahr den Umsatz um knapp fünfzig Prozent auf zwei Milliarden Mark zunehmen ließ und die März-Gruppe zum größten deutschen Bierbrauer machte, durchaus Kopfzerbrechen. Das Management der bis vor einem Jahr als Familienunternehmen geführten März-Gruppe kommt bei dieser Expansion an seine Grenzen. „So geht es nicht weiter. Wir arbeiten lag und Nacht.“