Der schönste Hundefilm seit langem: Aki Kaurismäkis „Das Leben der Boheme“! Seit langem, seit Lassie, seit der unvergeßbaren Springreifen-Szene in Cheifiz’ „Ionytsch“; Baudelaire heißt der Hund bei Kaurismäki, gespielt von der wunderbaren Leika – nein: Leika ist wie der Kritiker sagt, Baudelaire, also filmerzählerisch vollinhaltlich überwältigend, und man sollte den Menschen ja schon als Kind an das Tier heranführen, das erscheint mir wichtig.

Die Heranführung des städtischen Kindes an das Mitgeschöpf beginnt in der Regel oftmals bei den Enten auf dem Teich im Stadtpark; diese zu füttern gehört zum Ritual der Initiation in die Geheimnisse der Natur. Hierbei nun erfolgt eine zentrale Erfahrung: Wer das Brot, das Mami ihm zum Entenfüttern mitgegeben hat, selber ißt – und zwar vor den Augen der Enten –, muß mit dem erbitterten Protest der Tiere rechnen! Dies jedenfalls ist, grob umrissen, die Grundthematik des Buches von Ian Whybrow, der die Geschichte erzählt, und Russell Ayto, der die Bilder gemalt hat, transparentpapierartige Szenen, die übrigens – nur so zum Vergleich – ein ganz klein wenig an den klecksigen Charme des großen Searle erinnern.

Also: Kaum haben die Enten mit ihrem Protestgequake begonnen, eilen schon die Gänse herbei („Ooonk! Ooonk!“), dann die Esel und Hunde, schließlich hört man aus dem Zoo nebenan Löwen gar und Krokodile (O-Ton Krokodile: „Klapp! Klapp!“). Was würde jetzt aus unserem kleinen Egoisten, Selbstverzehrer, inmitten dieses Tohuwabohus ganz verdattert, hätte er nicht einen großen Bruder, der hier ganz Großer-Bruder-ex-machina-mäßig eingriffe? Kauft dem Kleinen ein Eis, wirft das Brot unters Tiervolk – und siehe da, schon kehren der Friede und das Glück des vollen Bauches ein.

Ein skurriles, simples kleines Buch zum Mitlallen, zum Mitquaken, -ooonken, -quieken, ein Tier-Laut-Lesebuch (da freut sich der Logopäde!), und ganz nebenbei ein sanfter Fingerzeig: Laßt uns einander brave Schmarotzer sein!

Conditio humana am Ententeich – ein Buch, für alle, die schon Enten füttern können: das schönste Enten-füttern-Buch seit langem.

Benedikt Erenz

Ian Whybrow, Russell Ayto: Quaaak, quak-quak!

Aus dem Englischen von Rolf Inhauser; Verlag Sauerländer, Frankfurt a.M. 1992; 32 S., 24,80 DM