Somewhere over the rainbow“ – nur der Judy-Garland-Song aus der Filmfassung des US-Kinderbuchklassikers „The wonderful Wizard of Oz“ ist bei uns wirklich populär geworden.

In Nordamerika gehören die Bücher der Abenteuer im phantastischen Land „Oz“ oder „Oos“ seit 1900, dem Erscheinungsjahr des ersten Bandes, zu den Lieblingsbüchern von jung und alt, haben zahlreiche Medienadaptionen erfahren und spuken mit ihren Hauptgestalten durch Redensarten, Vergleiche und Wortspiele in Kinderalltag und Erwachsenenwelt.

Wer hierzulande die märchenhafte Geschichte der kleinen Dorothy und ihrer Gefährten Vogelscheuche, Holzfäller und Löwe auf ihrem Weg zum Zauberer Oz kennenlernen will, hat seit neuestem die Qual der Wahl.

In der preiswerten Reihe Dressler Kinder-Klassiker lockt als Geheimtip und Longseller die Übersetzung des Baumschen Originaltextes durch Sybil Gräfin Schönfeldt mit Federzeichnungen von Janosch. Hans-Joachim Gelberg animierte jetzt seinen Wiener Autor Martin Auer zu einer freien Nacherzählung mit Aquarellen von Christoph Eschweiler.

Als ein Wirbelsturm Dorothy samt Hund und Haus aus dem heimatlichen Kansas fortträgt, gerät sie in phantastische Welten und merkwürdige Gesellschaft. Ihr Weg führt sie schließlich zum Erlösung verheißenden Oz, dem Herrscher der Smaragdstadt. Oz ist zwar ein „herzensguter Mensch, nur leider ein miserabler Zauberer“. Ein bißchen Schwindel gelingt ihm manchmal, erlösen aber können sich die vier wirklich nur selber – gemeinsam und zusammen mit der guten Hexe und dem Glück der Tüchtigen.

Das Glück liegt für die Vogelscheuche – bei Auer dem „Vogelscheuch“ – im Verstand, für den durch unglückliche Liebe zu Blech gewordenen Holzfäller in einem fühlenden Herz; der Löwe sucht das Glück im Mut, und Dorothy findet es bei Onkel und Tante. – Soweit bleiben Baum und Auer identisch.

Doch was Baum als karges amerikanisches Märchen fast lapidar erzählt, läßt Auer wort- und anspielungsreicher, psychologisch differenzierter „phantastisch“ schwingen.