Mutig haben sie sich immerhin nicht für Selters entschieden. Mit der überschäumenden Zeile "Sparkling Berlin" soll künftig für die Hauptstadt geworben werden. Eine Sektflasche als Signet soll dabei behilflich sein, den mehr und mehr ausbleibenden Touristen das gewisse Prickeln der Spree-Metropole wieder näherzubringen. Mit ihrem perlenden Motto können, so hoffen jedenfalls die Berliner Tourismusmacher, "Optimismus, Lebendigkeit und die Frische der Hauptstadt" demonstriert werden.

Die neuen Nöte Berlins sind beträchtlich. Das zeigt schon der Blick auf die letzte magere Hotelstatistik. Der Wind der Freiheit scheint der Stadt nicht zu bekommen. Noch vor drei Jahren war Berlin eine ebenso gemütliche wie exotische Sause. Ein wenig Kultur hier, ein bißchen 68er-Flair dort, eine Prise Revolutionsromantik durch den Häuserkampf und, natürlich, die Mauer: unüberwindlich und ein bißchen gruselig sowieso – eine Mixtur, die ebenso Appetit machte wie Currywurst, Kebab & Buletten.

Und nun? Zwei Jahre nach der Wende? Von Hauptstadteuphorie keine Spur. Die Berliner Luft ist raus. Im Gegenteil: Trostlosigkeit breitet sich aus von Spandau bis Marzahn, vom Kudamm bis zum Alex. Seitdem die Mauer fiel und das Brandenburger Tor so offen ist wie ein Scheunentor, lockt... Ja, was? Kein Plaste-und-Elaste-Charme im nahen Osten, kein Frontstadtprotz mehr im Westen.

Auch Kultur findet nur noch als Streit um den schnellsten Galopp an die Subventionstöpfe statt. Frust statt Lust.

Das größte und lebendigste Subventionsunternehmen der alten Republik wird zu einer gewöhnlichen Großstadt, zu einer Metropole wie Hamburg oder München, Köln oder Frankfurt – mit all ihren Insignien. McDonald’s und Benetton sind überall präsent, vor allem rund um die sogenannte Flaniermeile des Kudamm. Passagen noch und noch, austausch- und abwischbar. Touristiker spüren den Trend längst: Ihre Betten in den Hotels und Pensionen bleiben kalt.

Selbst der Senator wußte keinen Rat und holte sich Tips – ausgerechnet aus München. Ohne rasches Eingreifen, so priesen bajuwarische Tourismusforscher, drohe Berlin ins Mittelmaß abzugleiten.

Berlin solle nicht mehr als Insel vermarktet werden, schlagen sie nun vor. Als ob damit je geworben worden wäre. Jedenfalls: Gesagt, getan. Think positive, mögen sich die Senatoren und Touristiker gedacht haben, Vokabeln, die ihnen ebenso flott über Lippen gehen wie "Sparkling Berlin". Soviel Fremdsprachenkenntnis durfte man erwarten nach vierzig Besatzungsjahren durch hauptsächlich englischsprachiges Militär. Nicht jedoch, daß sie nun so plötzlich Weltoffenheit beweisen und ihr Berlin zur Stadt im "Park Brandenburg" erklären.