Von Klemens Polatschek

Der Bär hat ein Problem: Kaum jemand kennt ihn wirklich. Und das, obwohl er ja ab und zu sogar im Zirkus ein Engagement bekommt.

Deshalb hat der Bär diesen unwahrscheinlich Vielseitigen Ruf: Daß er grausam sei und gefräßig – ein Clown zudem und traurig auch, weil einsam; Bären hätten keine Lobby, heißt es, niemanden, der ihnen hilft.

Leider ist das alles nicht besonders richtig. Zum Beispiel ist es nicht wahr, daß Bären keine Lobby haben. Immerhin hat erst vor einem Monat die Artenschutzkonferenz in Kioto beschlossen, den Handel mit nordamerikanischen Schwarzbären und russischen Braunbären zu verbieten. Endlich soll versucht werden, ihren Bestand nicht weiter zu dezimieren.

Bloß müßte man jetzt wissen, was ein Schwarzbär ist und was ein Braunbär – stimmt’s? Der Bär mag ja gewaltig sein, aber das Gewaltigste am Bären bleibt unsere Ignoranz.

Nun besteht jedoch die Möglichkeit, in eine Buchhandlung zu gehen und mit der deutschen Version eines ausgezeichneten Photobandes mehr über den Bären zu erfahren – genauer über den Braunbären, den gewaltigsten von allen. Die kanadische Wildtierkennerin Candace Savage hat nicht nur bunte Bärenphotos ausgesucht, sondern auch eine Menge Texte geschrieben, die alles mitteilen, was es über den Bären zu wissen lohnt.

Sie ist dabei nie jammervoll oder belehrend, und die Selbstverständlichkeiten lernen wir ganz nebenbei. Zum Beispiel erweist sich der Schwarzbär als jener eher harmlose Geselle, der auf Bäume klettert, wenn es brenzlig wird – während der Braun-, Grau- oder Grizzly-Bär im Tierreich wahrlich eine Königsrolle spielt und mit Respekt zu behandeln ist: Trotz dieser drei unterschiedlichen Benennungen handelt es sich um eine einzige Art, und so heißt auch das Buch im Original einfach „Grizzly Bears“.