Von Gunter Hofmann

Genießen und schweigen, das kann er nicht. Erwin K. Scheuch ist vom Echo auf seine kleine Untersuchung der Parteienwirtschaft, besonders am Beispiel des Kölner Klüngels, einfach hingerissen. Jubel über Jubel! Prompt hat er das, was zunächst eine Auftragsarbeit für die Wirtschaftsvereinigung der CDU Nordrhein-Westfalens war, auf ganzen 25 Schreibmaschinenseiten, zu einem fast book ausgeweitet.

Das Echo auf die kleine Arbeit war enorm. Teils trug dazu bei, daß das Papierchen „klammheimlich unterdrückt“ werden sollte, weil es in der CDU plötzlich als Nestbeschmutzung galt. Teils schien es einen Nerv getroffen zu haben. Fernsehen, Funk, sämtliche Medien rissen sich darum, auch die ZEIT gehörte dazu.

Das hat die Scheuchs dazu verleitet, den Befund über den Verfall der politischen Parteien nun ein bißchen reißerisch in Buchform zu kleiden. Die Fälle von Vorteilnahme gehörten zum Alltag, lautet das Urteil. In Ralf Dahrendorfs Worten: institutionalisierte Korruption. Scheuch geht noch weiter: Wir befinden uns auf dem Weg in eine „Österreich-Situation“, in eine Proporzdemokratie und eine Mehrparteienobrigkeit.

Die starken Worte stützen sich vor allem auf das Beispiel Köln. Das Material darüber lieferten die Lokalzeitungen: Köln als Karrierebetrieb und Selbstbedienungsladen aller Parteien, abgesehen von den Grünen. Ganz nebenbei hat Scheuch damit übrigens auch bewiesen, daß die Medienkontrolle ganz gut funktioniert. Jedenfalls dort, wo es vernünftige Zeitungen gibt. Auch in dem Sinne ist vermutlich ein bißchen Köln überall. Gerade die Medien, die Scheuch so mißtrauisch beäugt, sorgen für ein Stück Transparenz.

Der Hauptteil also, Köln intim, lebt davon, daß die Details erst in der Summe ein Bild ergeben. Insofern ist damit eine kleine Fallstudie gelungen, nicht einmal eine selbstrecherchierte, die dennoch klassisch werden könnte. Aber das wär’s denn auch schon.

Scheuch, vom Erfolg beschwingt, hat seine Untersuchung aber nun auch um „Belege“ ergänzt und die Resonanz als Bestätigung aufgegriffen, daß er mit seinem Verriß des Parteienstaates inzwischen einfach offene Türen einrenne. Den wirklichen Gründen für die Krise, in welche die Parteiendemokratie geraten könnte, kommt er mit solchen Pauschalurteilen, in denen Kraut und Rüben und Birnen und Apfel miteinander vermischt werden, allerdings nicht richtig auf die Spur.