Von Jochen Pade

Stephen W. Hawking ist eine bemerkenswerte Persönlichkeit. Trotz seiner schweren Erkrankung führt er ein ausgesprochen aktives und produktives Leben. Seine Arbeiten haben der theoretischen Physik wesentliche Impulse gegeben; mit seinem populärwissenschaftlichen Bestseller „Eine kurze Geschichte der Zeit“ hat er eine zuvor kaum vorstellbare Auflagenhöhe erreicht.

Kitty Ferguson unternimmt in „Das Universum des Stephen Hawking“ den Versuch, einem breiten Publikum Leben und Werk des englischen Physikers vorzustellen. Warum allerdings der Econ Verlag Hawking auf dem Buchumschlag als „bedeutendsten Physiker unserer Zeit“ anpreisen mußte, ist unerfindlich. Das Buch ist nicht so plump, wie es diese Marktschreierei vermuten läßt – ganz abgesehen davon, daß ein exzellenter Wissenschaftler wie Hawking eine derart alberne „Aufwertung“ nicht verdient hat.

Die „Biographie“ (so der Untertitel) besteht zum Großteil aus einer populärwissenschaftlichen Darstellung der Arbeiten und Forschung Hawkings. Darin eingeflochten sind fünf kleinere, chronologisch geordnete Abschnitte, in denen wesentliche private und berufliche Ereignisse nachgezeichnet werden. „Stephen Hawking hält es nicht für sinnvoll, daß jemand eine Biographie über ihn schreibt“, heißt es auf Seite zwölf. Vielleicht liegt es daran, daß der eigentliche biographische Teil so schmal ausgefallen ist.

Da Ferguson weitgehend nur bekanntes Material auswertet, werden interessierte Leser viele der hier geschilderten Details aus dem Lebenslauf Hawkings schon kennen. Von einigen melodramatischen Passagen abgesehen, beschreibt die Autorin Stephen Hawking verhältnismäßig nüchtern, stellenweise sogar aus einer behutsam formulierten kritischen Distanz – und manchmal verblüffend widersprüchlich. Die Rolle von Jane Hawking, bis zur Trennung des Ehepaares über 25 Jahre lang die „Frau im Hintergrund“, wird ausführlich gewürdigt. Rund dreißig Photographien illustrieren Stationen aus seinem Leben.

Die großen physikalischen Themen sind natürlich dieselben wie in Hawkings „Eine kurze Geschichte der Zeit“: die bemerkenswerten Eigenschaften schwarzer Löcher, die Entstehung und das Schicksal des Universums und, sozusagen als Grundthema, die Suche nach einer Theorie, die als Verschmelzung von Quantenmechanik und allgemeiner Relativitätstheorie zumindest im Prinzip die ganze heute bekannte Physik umfassen würde.

Trotz aller inhaltlicher Parallelen ist aber kein um biographische Details erweiterter zweiter Aufguß der „Kurzen Geschichte“ entstanden. Zum einen hat Ferguson die dort umrissene Stoffülle geschickt gerafft, beschreibt darüber hinaus auch neuere Forschungsansätze („Babyuniversen“). Zum anderen versucht sie, dem Laien recht ausführlich einige Grundlagen klarzumachen, vor allem aus der Relativitätstheorie – natürlich ohne jede Gleichung, von der notorischen Ausnahme E = mc hoch2 abgesehen.