Heiko Worm gehört zu jenen Jungunternehmern, die sich die Architekten des "Aufschwungs Ost" erträumen. Charakteristische Kennzeichen: zupackender Unternehmertyp, der mit Wagemut die Marktwirtschaft zur Blüte bringt. Heiko Worm, 26 Jahre alt, hat gelernt, sich den Realitäten anzupassen und sie zu nutzen: Vor der Wende war es sein Hobby, Diskotheken zu organisieren. Das war nicht einfach, erwartete der Staat doch von ihm die Quadratur des Kreises. Auf der einen Seite sollte er sechzig Prozent Ostmusik spielen. Auf der anderen Seite sollten die Jugendlichen in Scharen kommen. Der junge Sachse wußte, daß beides zusammen nicht ging. Ein Trick half: Wenn die staatlichen Musikbeschauer sich ansagten, verpflichtete er Freunde und Bekannte, auch beim Erklingen der Osttitel tapfer die Tanzfläche zu stürmen.

Heute ist Heiko Worm einer von drei Gesellschaftern der Dresdner Dual Zentrum GmbH. Das kleine Unternehmen mit Firmensitz in einer gemieteten Gartenlaube an der Dresdner Bahnhofstraße verkauft EDV-Systeme. Die zehn Mitarbeiter entwerfen für ihre Kunden Konzepte für die Datenverarbeitung, installieren die Anlagen, schreiben passende Programme und schulen die Anwender. Das "rein ostdeutsche" Unternehmen existiert seit Juni 1990.

Das Dual Zentrum ist längst nicht mehr das einzige Unternehmen auf dem Markt. Während die Treuhand die Reste des DDR-Vorzeigeunternehmens Robotron abwickelt, westliche Hersteller mit harten Bandagen den Computermarkt untereinander aufteilen und die großen Investitionen weiter auf sich warten lassen, hat sich in Ostdeutschland eine bunte Szene von Kleinunternehmern gebildet, die in der EDV-Branche ihr Glück versuchen. Sie etablieren sich in den Nischen des Marktes, im Service- und Beratungsbereich, in dem weniger die Marktmacht eines großen Konzerns gefragt ist, als Kundennähe und fachliches Know-how.

Initiator des Dual Zentrums war Wilfried Krug, Professor für Fertigungsautomatisierung an der Technischen Universität Dresden. Während der turbulenten Herbst- und Wintertage des Jahres 1989 kam ihm der Gedanke, sein Wissen nicht mehr nur Studenten, sondern auch Unternehmern und Kommunalverwaltungen zu vermitteln. Den nötigen Schreibkram von der Einladung bis zur Abrechnung delegierte er an seine Tochter Sabine und an deren Freund, den Informatikstudenten Heiko Worm. Das Konzept ging auf. Obwohl die Schulungen für damalige DDR-Verhältnisse sündhaft teuer waren, wurde aus ihnen bald eine ganze Kollegreihe.

Doch dann kam der erste Rückschlag: Mit viel persönlichem Einsatz organisierten Heiko Woim und die Krugs ein internationales Symposium zu Fragen des Computereinsatzes. Sogar ein Fachieferent von der EG aus Brüssel wurde verpflichtet. Allein konnten die Dresdner das Projekt allerdings nicht schultern. Da vieles in Devisen vorfinanziert werden mußte, waren sie auf einen weitlichen Partner angewiesen. Ein österreichisches Unternehmen fand, sich zum befristeten Joint-venture bereit. Dreißig Prozent des Gewinns aus cer Veranstaltung waren den Ostdeutschen zugesichert. Und der Kongreß wurde ein Erfolg. "150 000 Mark", kalkulierte Heiko Worm, seien nach Abzug von Miete, Honoraren und anderen Auslagen übriggeblieben. Doch die Österreicher zeigten sich knauserig. Ganze 1500 Mark überwies der westliche Partner auf das Konto des neugegründeten Ost-Unternehmens. Über den Rest verhandeln bis heute die Rechtsanwälte. "Die haben uns über den Tisch gezogen", bekennt Heiko Worm.

Doch die drei vom Dual Zentrum ließen sich nicht entmutigen. Im Juni 1990 wurde mit 25 000 Mark Stammkapital aus privaten Ersparnissen eine GmbH gegründet. Von nun an wollte man nicht nur schulen und beim Aufbau von EDV-Systemen beraten, sondern die Systeme auch gleich verkaufen und installieren. Um das Geschäft anzukurbeln, das wußten Worm und seine Partner, mußten sie sich etwas Besonderes einfallen lassen. "Eine Anzeige schalten und dann am Telephon warten", sagte er, "reicht heute eben nicht mehr." Das Unternehmen organisierte im Dresdner Haus der Kultur und Bildung eine Art Mini-Messe. Und da Klappern zum Handwerk gehört, nannten sie das Ganze "1. Sächsische Systemmesse". Die Masche mit der Messe zog: Rund hundert Fachbesucher kamen.

Der Durchbruch schien geschafft. Prompt kam der erste Auftrag, der das Überleben des Unternehmens sicherte: Das Städtische Friedhofs- und Bestattungswesen bestellte Personalcomputer mit Software für die Finanz- und Lohnbuchhaltung und einem Drucker für rund 22 000 Mark. Worm stellte Mitarbeiter ein und mußte das Unternehmen nun noch auf eine solide finanzielle Grundlage stellen.