Nun drohen noch schlimmere Schrecken. Die Gefechte in Bosnien-Herzegowina könnten den Balkan schon bald endgültig in Brand setzen. Zwei Volksgruppen – moslemische Slawen und Kroaten – stehen einer dritten – der serbischen – mit wachsendem Haß gegenüber; die ethnischen Grenzen verlaufen quer durch die Provinz; die dort stationierten, von den Serben kontrollierten Truppen starren vor Waffen: Dies sind Voraussetzungen für einen Bürgerkrieg, verglichen mit dem sich die Kämpfe in Kroatien wie ein Manöver ausnähmen.

Die Europäische Gemeinschaft und Amerika haben Bosnien-Herzegowina als selbständigen Staat anerkannt. Das gleicht zwar dem Versuch, einen Tiger durch Handauflegen zu besänftigen, aber die Anerkennung bietet zumindest eine Möglichkeit zur Einwirkung von außen. Die Blauhelme der Vereinten Nationen können die Kämpfer nicht trennen. Sie haben nur ein Mandat für den Einsatz in Kroatien und müssen schon froh sein, wenn ihr Hauptquartier in Sarajewo nicht zur Gefechtszone wird.

UN-Soldaten in Lebensgefahr, anschwellende Flüchtlingsströme über die Grenzen – die blutigen Wirren berühren nicht mehr allein die südslawischen Völker. Aber kann die Welt in diesem Chaos noch Frieden stiften? Trotz aller Rückschläge müssen es die EG und die Vereinten Nationen intensiver denn je versuchen. D. B.