Von Gunhild Lütge

Zunächst wirkten die Unfälle rätselhaft, fast gespenstisch: Roboter waren in japanischen Fabriken außer Kontrolle geraten, hatten wild um sich geschlagen und dabei sogar Arbeiter getötet. Bald kam man dem Spuk auf die Spur. Elektromagnetische Wellen hatten in das Programm der computergesteuerten Automaten gefunkt – und sie fehlgesteuert.

Die unsichtbaren Strahlen sind nicht nur für Geräte und Maschinen ein unerwünschter Störfaktor. Auch Menschen, so der Verdacht von Fachleuten, können sie gefährlich werden. Die neue Mobilfunktechnik, die auf elektromagnetischer Strahlung basiert und künftig eine massenhafte Verbreitung finden soll, hat nun den Streit darüber angeheizt, welche und wie viele der insgesamt erzeugten Wellen die Menschen überhaupt verkraften.

Die Industrie, der Postminister und die Betreiber von Funkanlagen, wie die Telekom und Mannesmann, sind in Beweisnot geraten, weil sie im großen Stil eine Technik forcieren, ohne Zweifel an ihren Risiken ausräumen zu können. Niemand weiß nämlich derzeit genau, wie die festgeschriebenen Grenzwerte für die Strahlung eigentlich zu kontrollieren sind. Solche Unsicherheit schafft Angst – Angst vorm Elektrosmog. Auch die Stromversorger gerieten im Zuge der Diskussion ins Visier der Elektrosensiblen.

Per Gerichtsbeschluß wurde die Telekom bereits in einigen Fällen gezwungen, die Bauarbeiten an Sendemasten für das neue, digitale Mobilfunknetz zu stoppen. Ein gutes Dutzend weiterer Einsprüche beschäftigt ihre Justitiare. Und in Hamburg verlangen beispielsweise derzeit etliche Bürger von ihrem Stromversorger, Hochspannungsleitungen möglichst weit weg zu verlegen, weil sie um ihre Gesundheit fürchten. Doch beim Thema Elektrosmog schalten Strommanager am liebsten ganz auf stur.

Hinter allen Protesten steckt nur die Elektrophobie weniger Ökofreaks – vermuten die eher Sorglosen. Die Skeptiker indes warnen vor einer elektromagnetischen Umweltbelastung, die der chemischen Luftverschmutzung gleichkommen könnte. Ihre Forderungen laufen deshalb darauf hinaus, mit künstlich erzeugten Wellen vorsichtiger umzugehen.

Einig ist man sich bisher nur darin: Im Alltag sind die Menschen einem dichten Netz unterschiedlich starker elektromagnetischer Felder ausgesetzt. Das natürliche Umfeld der Erde wird von einem künstlich erzeugten Wellensalat vielfach überlagert. Die menschlichen Sinne können aus dem gesamten Spektrum der unterschiedlichen Wellenlängen (Frequenzen) nur den schmalen Bereich des Lichts und die Wärmestrahlen registrieren. Der große Rest gilt vielen deshalb als besonders heimtückisch. Dazu haben vor allem die radioaktiven Strahlen beigetragen. Die zählen zwar auch zum breiten Spektrum der elektromagnetischen Wellen, liegen aber weit entfernt von jenen Wellenlängen, die bei der Elektrizität oder beim Funkbetrieb eine Rolle spielen.