Der Beitritt zur Währungsunion fordert von der Regierung einen gewaltigen Kraftakt

Von Friedhelm Gröteke

Nur ein Drittel soviel wie die Deutsche Mark wiegt die Lira im Währungskorb der zwölf europäischen Länder, aus dem sich als theoretische Einheitswährung der Ecu zusammensetzt. Doch Deutschlands Hausfrauen, Sparer und Zentralbankdirektoren haben Angst davor, daß die Lira, von der zur Zeit beim Devisentausch 754 auf eine Deutsche Mark gehen, die neue, in Maastricht beschlossene europäische Gemeinschaftswährung schon vom ersten Tag an verwässert. Bereits am 1. Januar 1997 können nämlich in unseren Brieftaschen die neuen Europascheine stecken.

Noch nie haben deshalb die Mitteleuropäer mit derartigem Interesse alle Angaben über die Entwicklung von Staatsdefizit und Staatsschulden, Inflationsraten und Haushaltssanierung beim südlichen Nachbarn Italien verfolgt wie seit der Unterzeichnung der Verträge von Maastricht.

In Italien selbst hat sich in den vergangenen Wochen die Diskussion darüber dramatisch zugespitzt, ob das Land denn überhaupt noch rechtzeitig mit dem gewaltigen volkswirtschaftlichen und finanziellen Hausputz fertig werden kann, um die in Maastricht beschlossenen Anforderungen für den Beitritt zur Währungsunion zu erfüllen. Seltsamerweise haben die Politiker im Wahlkampf über dieses Thema hartnäckig geschwiegen. Dafür sind vor allem die beiden großen Regierungsparteien, Christdemokraten und Sozialisten, im Wahlgang zu Beginn der Woche bestraft worden.

Ob die Politiker aus Vorsicht nichts sagten, weil ohnehin niemand vor den Wahlen gern mit der Sprache über die Opfer herausrückt, die nach dem Karneval der Wahlgeschenke fällig werden? Oder war es, zumindest bei den alten Koalitionsparteien, nichts anderes als nackte Scham über den finanziellen Krisenzustand, in den das Land gesunken ist? Statt dessen legten Forschungsinstitute Szenarien vor, wiesen Wirtschaftskapitäne auf Italiens Schwächen hin, publizierten Ökonomieprofessoren offene Aufrufe zur Lage.

Leere Staatskassen