Von Wolfgang Hoffmann

Alexander Schalck-Golodkowski – das ist Stoff für eine unendliche Geschichte. Der Hamburger Journalist Peter-Ferdinand Koch hat den Versuch unternommen, Teile davon aufzuarbeiten. Und sein Buch „Das Schalck-Imperium lebt“ erlaubt einen recht umfassenden Einblick in die Schalckschen Geschäfte.

Alexander Schalck-Golodkowski: Dunkelmann der ehemaligen DDR, Schieber und Beschaffer von Devisen, trickreicher Drahtzieher zwielichtiger West-Ost-Geschäfte. Bis heute ist er ungeschoren geblieben; viele, vor allem die Abgeordneten des nach Schalck benannten Untersuchungsausschusses im Deutschen Bundestag, haben sich schon oft gefragt, warum eigentlich?

Peter-Ferdinand Koch hat eine der möglichen Antworten gefunden. Im Vorwort seines Buches schreibt er über Schalck und jene zweite schillernde Figur der Ex-DDR, den ehemaligen Geheimdienstchef Markus Wolf: „Wenn nur einer von ihnen, Schalck oder Wolf, auspackt, wird Deutschland als Europas erste ‚Bananenrepublik‘ Furore machen.“ Schalck hat mit vielen Großen aus Deutschland-West auf vertrautem Fuß gestanden. Schweigen wird da geschätzt.

Gestützt auf bisher noch unbekannte oder wenig aufgearbeitete Akten, blättert Koch Vita und Erfolgsstory von Alexander Schalck auf, entlarvt seine mit Korruption und krimineller Energie betriebenen Machenschaften als eine „politische Scharlatanerie“ ohnegleichen. Eine zentrale Erkenntnis des Autors: „Nicht die volkseigene Industrie trieb Ost-Berlin in den Abgrund, sondern die niemals kontrollierten Monopole KoKo, Außenhandel und Staatssicherheit, die die Wirtschaft verkommen ließen.“ Erich Honecker und der für Schalcks Außenhandelsinstrument „Kommerzielle Koordination“ (KoKo) zuständige Günter Mittag trügen zwar die politische Verantwortung, den Bankrott der DDR aber hätten andere verursacht – vor allem Stasi-Usurpator Erich Mielke und sein Devisenfachmann Alexander Schalck; eine sehr gewagte These. Die KoKo-Machenschaften allein sind dafür jedenfalls kein Beleg.

In zwanzig Kapiteln präsentiert Koch einen Schalck, der eben nicht der „solide Großkaufmann“ gewesen ist, für den ihn viele seiner westlichen Geschäftspartner noch heute halten. Schalck „rabattierte“ vielmehr „als Hausierer, er haute seine Partner übers Ohr, er veruntreute Devisen, er mogelte sich durch den KoKo-Alltag“, stets im Schatten der allmächtigen Staatssicherheit MfS.

Gnadenlos zählt Koch das Sündenregister dieses Mannes auf: Er habe mit Menschen ebenso wie mit Waffen gehandelt, die Kirchen und Museen ausgeraubt und bei seiner Ausplünderung der DDR nicht einmal vor uralten Grabsteinen haltgemacht: „Es gab nichts, was Schalck nicht getan hätte.“ Daß ihm am Ende nur „noch Pflastersteine [blieben], die spleenige Sammler im Westen kauften“, sei schließlich sogar von symbolhafter Bedeutung.