Nach Einbußen an der Wall Street setzt die Bank Austria auf die heimische Baubranche

Von Reinhold Rombach

Dem Wiener Schottenring war das Börsenschicksal im bisherigen Jahresverlauf durchaus wohlgesinnt. Nur wenig andere Börsenplätze in der Welt hatten ähnlich respektable Kurssteigerungen vorzuweisen. Der österreichische Aktienindex legte immerhin um 10,8 Prozent zu. Wien gilt nach wie vor als wichtiges Handelstor nach Osteuropa. Dies scheint viele Börsianer zu inspirieren. Unter diesen Umständen sollte es der Bank Austria eigentlich nicht schwerfallen, im ZEIT-Börsenspiel ein anständiges Ergebnis vorzulegen.

Aber abweichend vom Wiener Börsenindex entwickelt sich das Depot von Stefan Zapotocky alles andere als erfreulich. Die Gründe für das bisher recht bescheidene Abschneiden sind allerdings nicht so sehr auf dem heimischen Börsenparkett zu suchen, sondern wohl eher im mißglückten Versuch, mit der amerikanischen Biotechnologieaktie International Murex Gewinne zu erzielen. Stefan Zapotocky hatte Murex im Januar gekauft, obwohl sich die Aktie damals bereits binnen sechs Monaten verdoppelt hatte. Trotz dieses enormen Zuwachses sah er noch „einige Phantasie“. Die Träume von weiteren Kursgewinnen verwehten allerdings im Laufe der folgenden Wochen. Bei einem Minus von knapp zehn Prozent zog der Börsenexperte der Z-Länderbank Bank Austria schließlich die Notbremse und sonderte das Papier aus.

Vom Verkaufserlös steckte Stefan Zapotocky je 10 000 Mark in die Bauaktien Maculan und Universale, der Rest des Geldes floß in die Kasse. Nun ist es natürlich ein großes Risiko, wenn von maximal vier Titeln in einem Depot alle aus der gleichen Branche stammen, noch dazu alle aus einem Land. Zwar gelten sowohl Wienerberger als auch Baumax, beide recht stark im Hausbau engagiert, als gute und solide Werte. Gleichwohl blieben auch sie von der jüngsten Baisse am Wiener Platz nicht verschont. Noch stärker erwischte es Maculan und Universale. Auch größere Aufträge aus der ehemaligen Sowjetunion und den neuen Bundesländern konnten den Kursrutsch der Aktien der beiden Hoch- und Tiefbaufirmen nicht stoppen.

„Mit meinem unspektakulären Resultat von 3,76 Prozent im ersten Quartal bin ich nicht unzufrieden“, kommentierte Elisabeth Höller die jüngste Aufwärtsentwicklung ihres Portfolios. Bei den Roche-Genußscheinen kommt ihrer Meinung nach nun allmählich auf dem hohen Niveau die Kursphantasie zum Erliegen – trotz eines hervorragenden Betriebsergebnisses. Der Reingewinn des Schweizerischen Pharmakonzerns stieg im vergangenen Geschäftsjahr um 56 Prozent und lag damit weit über den Erwartungen der Experten. Nach dem Motto „Verkaufe bei guten Nachrichten“ denkt die Chefin der gleichnamigen Züricher Vermögensverwaltungs-AG bei diesem Wert nun verstärkt daran, ihre Gewinne zu realisieren.

Eine Mitnahme des bisherigen Gewinns von gut zehn Prozent könnte aber auch bei der niederländischen Verlagsaktie Elsevier eine kluge Entscheidung sein, zumal der Medienkonzern mit den kürzlich veröffentlichten Resultaten – Reingewinn elf Prozent – etwas enttäuschte.