Wer darauf spekuliert hatte, die Ergebnisse der Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein würden zu einer nachhaltigen Verschlechterung der Aktientendenz führen, sah sich schon bald nach Eröffnung der Montag-Börse auf dem falschen Fuß erwischt. Rasche und kurssteigernde Eindeckungen waren die Folge. Die Mehrzahl der Anleger setzt offensichtlich darauf, daß die etablierten Parteien jetzt enger zusammenrücken, um die brennendsten Probleme zu lösen. Dazu gehört in den Augen der Börsianer auch die Eindämmung der staatlichen Verschuldung.

Wenn es am Wochenbeginn bei lebhaften Umsätzen in den Standardpapieren zu Kursbesserungen gekommen ist, so lag dies vor allem an Äußerungen aus der Bundesbank, wonach jetzt der Inflationsgipfel erreicht sei und die Geldentwertungsrate bis zum Jahreschluß auf unter vier Prozent zurückgehen könnte. Daran knüpfen sich Hoffnungen auf eine Lockerung der Restriktionspolitik zum Jahresende. Optimisten sagen der deutschen Wirtschaft denn auch für 1993 eine Wachstumsbeschleunigung voraus, allerdings unter dem Vorbehalt volkswirtschaftlich vertretbarer Tarifabschlüsse.

Enttäuscht hat die relativ geringe Reaktion der Anleger auf die Abschlüsse der Großbanken für 1991. Obwohl die Deutsche Bank Rekorderträge vorweisen konnte, hielt sich die Begeisterung darüber in engen Grenzen. Der Gewinnzuwachs bei der Dresdner Bank und der Commerzbank mußte für die Risikovorsorge verwandt werden, für die Aktionäre blieb davon – im Gegensatz zur Deutschen Bank – nichts übrig. Bankaktien kommen erst wieder in Fahrt, wenn die Zinsen zuverlässig zu sinken beginnen.

Trotz aller Unkenrufe über die weitere Entwicklung der Automobilindustrie konnten sich die Kurse der deutschen Autoaktien auch in den vergangener Tagen wieder gut behaupten. Vorschußlorbeeren erhielt der neue VW-Chef, Ferdinand Piëch. Die vorübergehende Festigkeit des Daimler-Kurses wird weniger fundamental als vielmehr markttechnisch begründet; und zwar mit der Vorbereitung für neue „covered Warrants“.

Bei den Spezialwerten machten Springer-Aktien von sich reden. Gerüchte, nach denen die Familie Springer ihre Beteiligung aufgeben wolle, sorgten für spekulative Phantasie. Gleichwohl ist die Springer-Aktie ein Sonderfall. Denn welches dividendenlose Papier wird schon mit einem Kurs von 500 Mark notiert? K.W.