Republikaner und DVU: Die einen setzen auf sanfte Demagogie, die anderen predigen offenen Haß

Von Bartholomäus Grill

Der Jammer war groß im Norden und größer noch im Süden: die Republikaner im Parlament zu Stuttgart, die Deutsche Volksunion im Landtag zu Kiel – ein politisches Erdbeben. Wir wissen nicht, was die Politiker der großen Volksparteien mehr erschüttert hat – ihre Niederlage oder der Triumph der Ultras. Aber so mancher zeigte sich angesichts der Wahlergebnisse so besorgt, als habe ein kalter Staatsstreich stattgefunden.

War das Erdbeben wirklich nicht vorhersehbar? Wer dem Volk auf der Schwäbischen Alb oder am nordfriesischen Watt zu Wahlkampfzeiten aufs Maul schaute, der konnte hören, was es bewegt: "Asylantenflut" und "Ausländerschwemme", Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot, die wachsende Kriminalität, die Lasten der Einheit, die ungewisse Reise nach Europa. Aber die Parteien sind umhüllt von "einer schallschluckenden Styroporschicht, in der die Rufe der Wähler verhallen" – ein trefflicher Befund von Ralf Dahrendorf.

Dabei hatten sich die Politiker aus den beiden großen Lagern redlich Mühe gegeben, die Asylfrage unredlich aufzuheizen. In Schleswig-Holstein ließ die SPD die Asylbewerber zum Zählappell antreten, in Baden-Württemberg versuchte die CDU, die Republikaner in der Asylfrage rechts zu überholen. Aber beide Parteien haben nicht einmal das Echo gehört, das sie selber erzeugten. Das Ergebnis bestätigt die allgegenwärtige Politikverdrossenheit: Immer mehr Wähler bleiben zu Hause, und immer weniger trauen den etablierten Parteien die Lösung der dringlichen Probleme zu.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Erwin Teufel blieb es erspart, den Geistern, die er gerufen hatte, vor laufenden Kameras gegenüberzutreten. Die Demokraten rückten pikiert ab, als die Radikalen zu ihrer geschlossenen Diskussionsgesellschaft stießen. Sie schüttelten ihnen nicht einmal die Hand und behandelten sie wie Aussätzige: nicht anfassen, braunes Gift!

Schlagfertige Konkurrenten