Carl Schmitt war lange Zeit der herausragende Rechtsgelehrte des Nationalsozialismus, ein glühender Verfechter der Nürnberger Rassengesetze und des Führerstaates. Er wird bis heute von konservativen Rechtswissenschaftlern als Genie verehrt – da steht Schlierer nicht alleine. Der Genius schrieb: "Zur Demokratie gehört notwendig erstens Homogenität und zweitens – nötigenfalls – die Ausscheidung oder Vernichtung des Heterogenen." Soweit Carl Schmitt zur "wirklichen Demokratie".

Muß der, dessen Denken so geprägt wurde, nicht zwangsweise gegen das "Nichtgleiche" unserer Tage zu Felde ziehen, gegen Asylbewerber und Ausländer, gegen alles Fremdartige überhaupt? Schlierer tut dies vergleichsweise engelszüngig. Aber im Landtagswahlprogramm der Republikaner, das seine Handschrift trägt, wird Klartext geredet. In 16 von 32 Seiten geht es um Asylanten, Ausländer und Verbrecher. Die Fremden und die Altparteien, die ihrer nicht mehr Herr werden, sind Schuld an allen Übeln wie Wohnungsnot, Arbeitslosigkeit und Kriminalität.

Die zentrale Kampfformel des Programms klingt gleichwohl eher gemäßigt: "Die Politik der multikulturellen Gesellschaft ist die eigentliche Ursache unserer Hauptprobleme", steht auf Seite sechs. "Multikulturelle Gesellschaft" – diese Chiffre prägt das Feindbild der "neuen Rechten". Ihr Gegenbegriff lautet "nationale Identität"; das Volk wird definiert als natürliche Schicksalsgemeinschaft, in der Fremde nichts verloren haben – sie sollen "im Urwald bleiben".

Neurechte wie der Politologe Hans-Joachim Arndt sehen die "Überfremdung" und "Ent-Volkung" heraufziehen. In einem solchen Geist sind die Beiträge in den Zentralorganen der "neuen Rechten" verfaßt, in den Zeitschriften Criticón und Mut. Darin äußern sich die deutschnationalen Vordenker Gerd-Klaus Kaltenbrunner, Caspar von Schrenck-Notzing und Armin Mohler, der einstige Privatsekretär von Ernst Jünger; Wissenschaftler vom Schlage eines Heinz Haber oder Irenäus Eibl-Eibesfeld; Erzkonservative wie Gertrud Höhler (CDU), Ursula Lehr (CDU), Hans Maier (CSU) oder Heinrich Lummer (CDU). Die illustre Autorenliste reicht vom Historiker Hellmut Diwald, der die "Auschwitz-Übertreibungen" zurechtrückt, bis zu Günter Zehm, dem ehemaligen stellvertretenden Chefredakteur der Welt. In der Mut-Ausgabe vom Dezember 1988 leitet Zehm aus dem Leben der Maikäfer, Rotkehlchen und Waschbären die Unmöglichkeit der multikulturellen Gesellschaft ab – Zehms Tierleben.

Herausgeber der Zeitschrift ist Bernhard C. Wintzek, 1970 Mitbegründer der neonazistischen "Aktion Widerstand" (ihre Parole gegen die Ostpolitik der SPD: "Brandt an die Wand!"). Bis 1983 wurde das Periodikum als extremistisch eingestuft. Fünf Jahre später gehörte der Bundeskanzler zur Leserschaft: "Als ständiger Leser von ‚MUT‘ studiere ich – oft mit viel Sympathie und Zustimmung – ihre Artikel, sehr geehrter Herr Kaltenbrunner", lobte Kohl das rechtsradikale Organ, in einem Leserbrief. Kein Wunder, schließlich begegnet er so manchem Autor auch im Bayernkurier oder in der Welt am Sonntag.

Und so manchen Autor hätte er auch in Filbingers Studienzentrum zu Weikersheim treffen können, 1989 etwa, beim zehnjährigen Jubiläum dieser nationalkonservativen Denkfabrik, vielleicht sogar im Gespräch mit Rolf Schlierer. Da gaben sich auf dem Hambacher Schloß, umrahmt von Buchsbäumchen und Burschenschaftlern, die Professoren Klaus Hornung, Ernst Topitsch und andere Geistesriesen ein Stelldichein. Es wurde über die Zukunft Deutschlands diskutiert – in den Grenzen von 1937.

Und so mancher Gast in Weikersheim – Karl Steinbuch oder Christa Meves seien genannt – ließ sich die Ehre nicht nehmen, in Schönhubers Hauspostille Der Republikaner zu schreiben. Nebenbei warb Rolf Schlierer prominente Federn für sein rechtsradikales Blättchen Student.