Kleiner Fehler, folgenschwer

Heißt es nun ECU oder Ecu? Drei Buchstaben haben die Verteilung des druckfrischen Vertrags von Maastricht über die europäische Währungsunion ins Stocken gebracht. Die Korrekturleser des 254 Seiten umfassenden Werkes hatten sich verständigt, in den neun Übersetzungen stets Ecu zu schreiben. Doch damit erlaubten sich die Luxemburger Korrektoren eine Eigenmächtigkeit, die politische Irritationen auslöste. Denn die Vertragspartner hatten sich in zähen Verhandlungen darauf geeinigt, die unterschiedliche Schreibweise des Kürzels beizubehalten. Der Unterschied ist klein, vielleicht typisch EG-europäisch, aber eben bedeutsam: Groß geschrieben stellt ECU nur die Abkürzung für die Währungseinheit dar; klein geschrieben wirkt Ecu aber schon wie der Name der künftigen Währung. Und um den wird noch heftig gestritten. 100 000 fertige Exemplare sind bereits in der Druckerei. Nun muß entweder eine Korrekturnotiz vereinbart werden; oder die gesamte Auflage wird eingestampft.

Richten unter der Sonne

Richter am obersten Gericht eines Staates zu sein: Das gilt als die Krönung einer erfolgreichen Juristenlaufbahn. Für Rechts gelehrte in vielen Ländern mag dies so sein – nicht aber für Juristen auf den Marshallinseln im Südpazifik. Von den 50 000 Bewohnern der Inselgruppe arbeiten ohnehin nur zwölf als Rechtsanwälte. Und keiner von ihnen hat Interesse an einem der drei Richterstühle, die derzeit unbesetzt sind. So wurden die Stellen in einer amerikanischen Fachzeitschrift ausgeschrieben. Sechzig Bewerber aus den Vereinigten Staaten, die sich von der Südsee-Romantik locken ließen, haben sich bereits gemeldet. Als oberste Richter müßten sie sich allerdings mit dem Gesetzeswerk der seit 1986 unabhängigen Inselrepublik vertraut machen – es mischt inseleigenes Gewohnheitsrecht mit Paragraphen aus Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Zeit und Muße zur Einarbeitung unter Palmen bliebe allemal genug – auf dem Archipel verfügen Verfassungsrichter nicht einmal über ein Telephon.

Neue Ressortleiter

DIE ZEIT hat zum 1. April zwei neue Ressortleiter bestellt. Dr. Dieter Buhl hat die Leitung der Politischen Redaktion übernommen. Er trat die Nachfolge von Robert Leicht an, der nach einem mehrmonatigen Studienurlaub im Herbst den künftigen Herausgeber Dr. Theo Sommer als Chefredakteur ersetzen wird. Haug von Kuenheim, bisher Redaktionsdirektor, rückt an die Spitze des ZEITmagazins, dessen bisherige Leiterin, Marie Hüllenkremer, als stellvertretende Chefredakteurin zum Kölner Stadtanzeiger zurückkehrt.

Berichtigung

In der ZEIT Nr. 15 vom 3. April 1992 wurde im Artikel „Das wilde Kind“ die Berliner Zeitung mit der Berliner BZ verwechselt. Wir bedauern diesen Fehler.