Der wegen Verdachts der Stasi-Mitarbeit amtsenthobene Rektor der Berliner Humboldt-Universität, der fristlos gekündigte Theologieprofessor Heinrich Fink, hat vor Gericht bestenfalls eine Schlacht gewonnen. Der Krieg um seine Person aber ist noch lange nicht entschieden.

Die 64. Kammer des Arbeitsgerichts Berlin entschied jetzt, daß jene Akten der Gauck-Behörde, die nach Meinung des Berliner Wissenschaftssenators Manfred Erhardt die Tätigkeit Finks als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) ausreichend belegten, zwar Indizien, wohl aber keine zuverlässigen Beweise seien. Schließlich handle es sich bei den Unterlagen nicht um öffentliche Urkunden. Da Fink seine Stasi-Mitarbeit bestritt, hätte der Wissenschaftsenator eben solche Urkunden vorlegen und auch Zeugen benennen müssen.

Fink darf also zunächst weiter als Professor der Humboldt-Universität tätig sein – es sei denn, Senator Erhardt erreicht eine Aussetzung der Zwangsvollstreckung des Urteils. In jedem Fall will Erhardt in die Berufung gehen. Finks Amtsenthebung als Rektor bleibt ohnehin weiter wirksam; gegen sie klagt die Humboldt-Universität vor dem Verwaltungsgericht. Somit könnte Fink bei den Rektoratswahlen im Juni erneut kandidieren. Und so, wie die Stimmung an der Universität ist, würde er wohl auch gewählt werden.

Sollte das Urteil des Arbeitsgerichts Bestand haben, so bliebe es nicht ohne Folgen für die Aufklärung des Stasi-Komplexes. Wer wie Arbeitsrichter Bernd Kießling glaubt, Auskünfte der Gauck-Behörde seien „für sich genommen nicht als wahr zu unterstellen“, andererseits aber die Benennung der Führungsoffiziere des „IM Heiner“ als Zeugen vermißt, der setzt die internen Unterlagen eines präzise arbeitenden Spitzelapparates mit den nachträglichen Schutzbehauptungen seiner Auftraggeber gleich, Kein Wunder, kommentierte die PDS ein solches Urteil triumphierend.

Doch Kießlings Urteil steht auf kurzen Beinen. Die Akten, die Fink belasten, sind mehr als nur vage Indizien. Die Identität von Heinrich Fink mit dem „IM Heiner“ gilt als zweifelsfrei. Der Beauftragte für die Stasi-Unterlagen, Joachim Gauck, sagte aus, nach seiner Überzeugung sei keine als IM geführte Person ohne ihr Wissen als Quelle „abgeschöpft“ worden, wie es Fink behauptet hatte. Daß seine Akten auf Anweisung des Führungsoffiziers im Dezember 1989 vernichtet wurden, muß Gründe gehabt haben.

Zudem haben sich die Gauck-Gegner über das Fink-Urteil zu früh gefreut. Inzwischen hat nämlich die 82. Kammer des Arbeitsgerichtes in einem ähnlichen Fall deutlich anders entschieden. Der Anatomieprofessor Georg Scheuner kam mit einer Klage gegen seine fristlose Entlassung nicht durch, obwohl es über ihn nur zwei Karteikarten, den Decknamen „IM Siegfried“, die Namen von Führungsoffizieren und leere Aktenordner gab. Das waren weit weniger Indizien als im Fall Fink.

Joachim Nawrocki (Berlin)