Früher kamen sie auf einem Schimmel. Heute fahren Prinzen Porsche. Sonntag, drei Uhr früh im "Hard Rock Café" Kuala Lumpur: Sieben Stunden hatte Raja Muda mit seinem Gefolge Lisas 21. Geburtstag gefeiert. Champagner und Cocktails zur Musik von Michael Jackson, Madonna, Queen und den Beatles. Mit einer knappen Handbewegung signalisiert der älteste Sohn des Königs von Malaysia dem Discjockey, daß die Party vorbei ist. Die blonde Prinzessin setzt sich neben ihren Prinzen in den weißen Turbo. Seinen Schlußleuchten folgt der Hofstaat – Künstler, Schriftsteller, Models, Discobesitzer – in kaum minder edlen Karossen in den anbrechenden Morgen.

Wer etwas auf sich hält in der malaysischen Hauptstadt, hält hof im "Hard Rock Café". Restaurants, die landestypische Kost und Folkloreshows anbieten, sind Anziehungspunkte nur für ausländische Touristen.

Nirgendwo in Malysia ist der von der Regierung verordnete Wandel, der als "Vision 2020" proklamierte Sprung zur Industrienation in wenigen Jahrzehnten so sichtbar wie in der Hauptstadt: Die verstopften Straßen können den Ansturm des drastisch gewachsenen Verkehrs kaum noch bewältigen. Einkaufspaläste wie das Lot 10, ein Meer von Leuchtreklamen, Baukräne – allein in Kuala Lumpur sind 27 neue Hotels mit fast 9000 Betten geplant.

Und doch – aus dem 21. Stockwerk des "Concorde"-Hotels an der Jalan Sultan Ismail betrachtet, wirkt Kuala Lumpur fast gemütlich. Großzügige städtische Parks und bewaldete Hügel, in denen sich englische Kolonialvillen verstecken, lassen die Hochhäuser, die im Geschäftsviertel golden triangel aus dem Boden schießen, weniger wuchtig erscheinen.

Einiges ist übriggeblieben vom alten Kuala Lumpur, der "Stadt an der schlammigen Flußmündung", wo die braunen Fluten von Gombak und Klang zusammenfließen. Reich wurde die Bergarbeitersiedlung durch ihre Zinnminen, aus denen zugewanderte Chinesen seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts das "weiße Gold" herausschleppten. Die Architektur des Islam, der beherrschenden Religion Malaysias, prägt selbst noch die modernistischen Hotel- und Bankenfassaden.

Nur wenige hundert Meter weiter in der Innenstadt verfällt die einstige Keimzelle Kuala Lumpurs: Die Fassaden der zweistöckigen Häuserzeilen des chinesischen Barock in der Chinatown bröckeln, wenige der bis zu hundert Jahre alten Ladenhäuser werden restauriert. Wenn nachts die Menschen durch die engen Gassen drängen, leben alte Traditionen weiter: In den Garküchen duftet es nach Ingwer und Chili, Suppen köcheln in den Woks, auf den Grills brutzeln Entenhaut und Hühnerschenkel. An den Marktständen beiderseits der engen Straßen wird noch gehandelt wie eh und je.

Hier ist wenig zu spüren von den Spannungen in der Bevölkerung. Die Hälfte der Einwohner – bumiputras –, Söhne des Bodens genannt, sind malayischen Ursprungs. Ein gutes Drittel sind Chinesen und zehn Prozent Inder. Wie überall in Südostasien haben auch in Kuala Lumpur die chinesischen Händler, Kaufleute und Industriemanager in der Wirtschaft das Sagen. Die Regierungspolitik, alle Bevölkerungsgruppen gleichmäßiger am neuen Reichtum teilhaben zu lassen, stößt auf zunehmenden Widerstand von allen Seiten. Die Chinesen fürchten um ihren Einfluß, Indern und Malaien geht es nicht weit genug.