Von Gunhild Freese

Gewarnt hatte das Kartellamt schon lange: "Wenn die Konzentration weitergeht, besteht die Gefahr, daß der Wettbewerb umkippt." Gegenwärtig ist die Gefahr größer als je zuvor. Denn der Großhandelsgigant Metro, schon jetzt mit einem Umsatz von über 35 Milliarden Mark Branchenprimus, schickt sich an, die Nummer sechs, die Saarbrücker Asko (Umsatz mehr als 19 Milliarden) unter Kontrolle zu bekommen.

Es entstünde ein Handelskoloß, der beinahe doppelt so stark und mächtig wäre, wie die Kölner Rewe-Grupe, die derzeit knapp 33 Milliarden Mark umsetzt. Ein Monopoly-Spiel, das den Lieferanten und am Ende auch den Verbrauchern den Atem rauben würde. Doch die Metro geht – wie gewohnt – mit langem Atem und eher vorsichtigen Schritten vor.

Das Dementi folgte denn auch pflichtgemäß und prompt. Die Metro, so ließ Erwin Conradi, mächtiger Chef des Großhandelskonzerns, verbreiten, habe derzeit keine "konkreten Pläne für eine Ausweitung" ihrer zehnprozentigen Beteiligung an dem Saarbrücker Handelsunternehmen Asko. Hinter dem auffälligen Kursanstieg der Asko-Aktien in den vergangenen Wochen hatten Börsianer flugs die Metro oder befreundete Aktionärsgruppen vermutet. Berichte, die Metro strebe nun die Mehrheit bei Asko an, verwies Conradi ins Reich der Spekulation.

Und zugleich dementierte der Mann sein Dementi: Immerhin wäre die Metro ein "logischer Partner für Asko". Und auch Asko-Aufsichtsratchef Helmut Wagner "sähe es gern, wenn wir einen größeren Anteil hätten", wußte Conradi zu berichten. Grundsätzlich sei nicht einmal auszuschließen, die Asko-Mehrheit zu einem späteren Zeitpunkt zu übernehmen.

Tags darauf, am Mittwoch vergangener Woche, meldete sich der potentielle Übernahmekandidat, die Asko, zu Wort. Nach einer eilends einberufenen außerordentlichen Aufsichtsratssitzung, an der auch Aufsichtsratsmitglied Conradi teilgenommen hatte, übten Oberaufseher Wagner und sein Vorstandsvorsitzender Klaus Wiegandt den Schulterschluß. In einem Schreiben an "alle Mitarbeiterrinnen und Mitarbeiter" versprachen sie, sich immer für die "Erhaltung der Selbständigkeit unseres Unternehmens" einzusetzen. Zugleich aber auch hier ein halber Schritt zurück: "Wenn einzelne Aktionäre ihre Beteiligung an der Asko ausgebaut haben sollten, so begrüßen wir das darin zum Ausdruck kommende Vertrauen in die Werthaltigkeit und Zukunftsperspektiven ..."

Hat sich Helmut Wagner, der die Asko aufgebaut und zu einem mächtigen, weit diversifizierten Handelskonzern gemacht hat, ins Unvermeidliche geschickt? Es könnte aber auch sein, daß aus der bewegten und höchst expansiven Vergangenheit der Asko noch immer so viel an finanziellen Problemen übriggeblieben ist, daß die Banken – allen voran die Hausbank Deutsche Bank – in der Metro den geeigneten troubleshooter gesucht haben. Die Metro, so muß man jedenfalls schließen, wird in absehbarer Zeit die Geschicke in Saarbrücken lenken – wenn sie es nicht ohnehin schon tut.