Die Brüsseler Bürokraten haben sich in den Bananenhandel eingemischt. Wenn es nach ihnen geht, dann müssen die deutschen Verbraucher für die tropischen Früchte von Anfang 1993 an tiefer in die Taschen greifen. Der Markt soll wieder einmal „geregelt“ werden.

Die Bundesrepublik ist der größte Bananenabnehmer in Europa. Ob dick oder dünn, mit oder ohne Gütesiegel – die Bananen haben hierzulande bislang freien Zugang. Das aber ärgert französische und englische Händler und Pflanzer, die auf den teuren Bananen der ehemaligen Kolonien sitzenbleiben. Westafrikanische Länder, karibische Inseln und das französische Guayana sind davon betroffen. Mit der Quotenregelung aus Brüssel sollen deren Bananen nun den Vorzug erhalten. Die wesentlich produktiveren Bananenrepubliken Ecuador, Kolumbien, Panama und Costa Rica würden durch die Quotenregelung einen ihrer wichtigsten Absatzmärkte verlieren.

Dabei haben erst vor kurzem noch in Managua die EG-Außenminister den Staaten Zentralamerikas eine bessere wirtschaftliche Zusammenarbeit angeboten. „San José VII“ hieß die Konferenz im diplomatischen Sprachgebrauch. In Managua ging es um Entwicklungshilfe, Drogen – und Bananen.

Vierzig Millionen Dollar Wirtschaftshilfe hatten die EG-Außenminister den Latinos in Managua versprochen. Damit sollen die besonders armen Länder Honduras und Nicaragua ihren Außenhandel fördern, um an Devisen zu kommen. An die vierzig Millionen Dollar dürfte auch die Konferenz „San José VII“ gekostet haben: Ein glattes Ergebnis, das die Beamten in Brüssel jetzt noch verschlimmbessern. Mit dem Erfolg, daß die Bananen teurer werden, die Exporthilfe an Zentralamerika für die Katz ist und die deutschen Verbraucher auch noch Englands und Frankreichs koloniale Vergangenheit mitbezahlen: krumme Bananen. Carl D. Goerdeler