Chinas Tourismus hat sich vom Flautenjahr 1990 erholt. Vor allem Reisen der mittleren Preiskategorie finden wachsenden Zuspruch. In der Branche wächst Optimismus.

Martin Büse, Geschäftsführer der Kieler GeBeCo, des größten deutschen China-Reiseveranstalters, rechnet 1992 mit etwa 50 000 Buchungen. Das würde eine Steigerung um 25 Prozent gegenüber 1988, dem Rekordjahr im Chinatourismus, bedeuten. Nicht eingerechnet sind dabei Geschäftsreisen und kurze Stippvisiten ins Reich der Mitte von Hongkong, Taiwan oder Macau aus. Verhaltenes Frohlocken herrscht bei den meisten Unternehmen der Arbeitsgemeinschaft der China-Reiseveranstalter.

Die Befürchtung der Chinatouristiker, das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens vom 4. Juni 1989 werde das Geschäft langfristig behindern, haben sich somit nicht bewahrheitet. Boykottaufrufe chinesischer Studentenverbände im Gefolge der bürgerkriegsähnlichen Wirren fruchteten wenig.

Im Gegenteil: Der (mit westlichem Geld ermöglichte) Bau von Hotels der gehobenen Kategorie in Peking und Shanghai hatte einen Boom ausgelöst. Zudem sind inzwischen in China genügend Herbergen der mittleren Preisklasse errichtet worden.

Nicht zuletzt deswegen – und weil der Hang zum kurzen Ferntrip seit Jahren anhält – haben Angebote wie das der GeBeCo (acht Tage Peking, Übernachtung/Frühstück von 1299 Mark an) nachhaltigen Erfolg. Das Niedrigpreisangebot gilt indes nur für die kalte Jahreszeit – doch ausgebuchte Hotels, wissen Branchenexperten, seien allemal besser als leerstehende.

Gefragt sind wie eh und je Trips für die zahlungskräftigere Kundschaft: Eine knapp vier Wochen lange Rundreise kostet, einschließlich aller Extras, durchschnittlich 7000 Mark. Horst Liebelt, Prokurist der seit über dreißig Jahren im Geschäft tätigen Marco Polo-Reisen, spricht von einer „guten Aufschwungphase“.

Mittelfristige Vorhersagen, gar eine Prognose für das laufende Jahr will er dennoch keine wagen: „Die Leute reagieren sensibel auf alle möglichen Meldungen.“ Wenn die Medien von Überschwemmungen in Südchina berichten, so Liebelt, rufen verstörte Kunden an, um sich aktuelle Infos einzuholen. Meist langt ein Hinweis darauf, daß nicht das ganze Land – von der Fläche her 26mal so groß wie das neue Deutschland – überspült ist.