Dies hier ist für Claudius. Für Claudius Seidl, den großen Filmkritiker, der freimütig gestanden hat, daß er in der ZEIT „Das Letzte“ lieber liest als die großen Werke unserer großen Filmkritiker. Das schrieb er in steady cam. Also, Claudius, ein „Letztes“ nur für Dich!

Als Claudius sich Mut anschrieb für sein ergreifendes Bekenntnis zu dieser Kolumne („Der Himmel war fad“, schrieb er, „die Luft war feucht, die Wolken klebten auf den Dächern“), war er eigentlich, wie wir überrascht erfahren, verabredet: mit Al Pacino, Kathleen Turner und Michel Piccoli. „Und wenn du aus dem Kino kommst, wird es dunkel sein, du wirst den Himmel nicht sehen und die Feuchtigkeit nicht spüren, und hinter den Schatten wirst du jene Bilder vermuten, die Gary Marshall dir mit auf den Weg gegeben hat.“

Was schrieb er noch? Daß man B-Filme kennen und lieben muß, bevor man sich Filmkritiker nennen darf. Daß die Achtundsechziger müde geworden sind. Daß (wie wahr!) Heerscharen von Konsumberatern, als Kritiker verkleidet, in den Stadtzeitungen die Werbemaßnahmen der Verleihe freundlich flankieren. Daß aber gleichzeitig, wer im Feuilleton über Sascha Anderson diskutiert, ein Ignorant und Moralist ist (weil er nichts von B-Filmen versteht). Daß überhaupt die Post abgehen muß, irgendwie. Und, so das männlich-entschlossene Fazit, daß man alle Ignoranten und Moralisten „umrennen“ muß, „je heftiger, desto besser“.

Claudius, wir wissen, wie sehr es schmerzen kann, ein Held zu sein in einer Zeit, die keine Helden nötig hat! Beim Spiegel zu arbeiten (wie Du) und trotzdem kein Held zu sein, sondern bloß ein Kulturwichtel (wie wir). Wir, die Kulturwichtel von der anderen Straßenseite, machen einen Vorschlag: Die Kulturredaktion des Spiegels und das Feuilleton der ZEIT treten einmal pro Woche ans Fenster und winken hinüber und herüber. Und alle sehen, daß drüben im Spiegel-Haus und hüben im Pressehaus auch bloß Wichtel winken und kein Held auf seinen Einsatz wartet.

Aber leider haben wir keine Zeit, Dich zu trösten. Wir sind verabredet. Mit Teresa Orlowski, Konstantin Wecker und Pussy Galore im Nonstop-Kino am Hauptbahnhof. Und wenn wir uns nun männlichentschlossen erheben, um hinauszutreten in die feuchten Schatten der Nacht, rennt uns Ignoranten hoffentlich keiner um. Finis