Von Walter Grasskamp

Gegen Hubert Burda und seinen Preissegen im Namen halbwegs unbescholtener Dichter läßt es sich gut polemisieren, denn er ist auch der Verleger von Bunte und Super-Illu, und beide Blätter stehen nicht gerade in dem Verdacht, Zentralorgane des bürgerlichen Elitejournalismus zu sein. Im Kreise halbwegs unbescholtener Juroren nimmt sich der „Schmutzblatt-Verleger“ so fehlplaziert aus, daß es einfach scheint, ihn als Falschspender zu entlarven.

Machen wir es uns also zur Abwechslung einmal schwer. Wenn sich der Herr eines vielfältigen (und abteilungsweise auch ziemlich einfältigen) Medienimperiums zutraut, einen Literaturpreis im Namen jenes Nicolas Born zu vergeben, dessen Roman „Die Fälschung“ die Rollenkonflikte eines Sensationsreporters zum Thema hat, dann nimmt er sich viel vor, im Zweifelsfall zu viel. Es wäre vielleicht die Aufgabe der Jury gewesen, ihm das nicht erst jetzt, sondern gleich zu Anfang auszureden. Manche Peinlichkeit im ungelenken Umgang der Intellektuellen mit den Mächtigen der Wirtschaft läßt sich doch vermeiden, wenn man offenkundigem Unfug bereits ein Ende setzt, bevor er institutionalisiert wird.

Aber mit welchem Medienverleger wäre ein solcher Preis denn überhaupt zu vergeben? Und wer sonst würde Nicolas Borns in dieser Form gedenken? Burdas Preis im Namen von Born, der Gründungsmitglied der Petrarca-Jury war, ist ein Gedenken im Widerspruch. Wer diesen Widerspruch entdeckt, braucht sich keiner besonderen Sensibilität zu rühmen, denn er war stets offensichtlich; wer ihn thematisiert, kann das nicht nur auf Kosten Burdas tun, denn der Widerspruch ist zwangsläufig.

Spätestens angesichts des letzten Petrarca-Preis-Trägers konnte man ja ins Grübeln kommen. Hatte sich der wendige Super!-Verleger mit dem angesehenen Kunsttheoretiker John Berger nicht den sprichwörtlichen ehrlichen Knochen zum Vorzeigen gemietet? Durfte John Berger ohne Ansehensverlust ein Preisgeld aus dieser Quelle annehmen? Ja, er durfte, denn John Berger, das konnte man sich bei dieser Gelegenheit klarmachen, bekam das Geld schließlich nicht für das, was Hubert Burda, sondern für das, was er selber geleistet hat. Das und nichts anderes ist der Sinn eines Preises.

Ein Preis will von der Seite des Empfängers gesehen werden, das ist die Logik des bürgerlichen Mäzenatentums, und zu ihr gehört auch, daß ein wenig Glanz auf den Stifter fällt. Neuerdings ist diese Logik durch Sponsoren unterlaufen worden, denen es vorrangig um Werbung und die eigene Imagepflege, weniger um die Ehrung des Empfängers geht. Doch Hubert Burda ist ein Mäzen des traditionellen Typs. Man kann ihm nicht die naive Hoffnung unterstellen, wegen des Petrarca-Preises könnte der Absatz von Super-Illu steigen oder daß durch alle Burda-Stiftungen insgesamt irgendein Produkt seines Hauses ernster genommen würde. Die Niveau-Unterschiede zwischen den Preisen und den Produkten sind zu offensichtlich. Zudem wird gerade ein Zeitungsverleger wissen, daß das Licht der Öffentlichkeit nie allein auf seine Glanztaten fällt, sondern auch auf eine Doppelrolle.

Diese Doppelrolle hat er allerdings nicht erfunden, sie ist ein Erbstück der bürgerlichen Gesellschaft. In der Figur des Mäzens personifiziert sich der Widerspruch, daß man nur mit mehr oder weniger unfeinen Methoden reich werden kann, wirklich fein aber nur durch Reichtum. Der Intellektuelle, der Stil besitzt, aber nicht das Geld, ihn sich auch leisten zu können, ist eine tragikomische Figur – sofern er nicht Avantgardist wird und sich seinen Stil gleich selber erfindet. Der Mäzen hingegen, der das Geld hat und sich daher auch Stil leisten kann, ist eine Institution der bürgerlichen Gesellschaft – und eine notorische Paradoxie.