Auch eine Warteschlange kann giftig sein. Vor allem dann, wenn sich einer vorbeischlängeln will und dabei erwischt wird. Dann gibt’s Zoff vom Schwanz her: „Hinten anstellen!“ Jeder, der im Supermarkt einkaufen geht, weiß das aus Erfahrung. Schleichwege an der Warteschlange vorbei sind gefährlich. Sie gehören zu einer Kategorie der Überrumpelungstaktik, die wir aus Indianerfilmen kennen: auf leisen Sohlen von der Seite her kommen.

Der geschulte Supermarkt-Vordrängler hat dabei nur einen einzigen Kaufgegenstand in der Hand. Er wendet sich damit, betont treuherzig, immer an den, der in der Warteschlange ganz vorn ist: „Darf ich mal eben vor, ich hab’ nur dies.“ Wichtig ist dabei, daß die letzten nicht mitbekommen, was vorn an der Kasse geflüstert wird. Die Erfahrung lehrt, daß Männer auf eine hochgehaltene Bierflasche eher reinfallen als Frauen. Dafür haben Frauen, die eine Kinderschokolade hochhalten, bei Frauen mehr Chancen: „Ich hab’ nur dies.“ In beiden Fällen wird allerdings abgezähltes Kleingeld vorausgesetzt.

Nun haben sich die Tricks der Vordrängler mittlerweile so verfeinert, daß höchste Aufmerksamkeit vor der Kasse geboten ist, wenn sich jemand mit einem prall gefüllten Einkaufswagen von der Seite her anschleicht.

Ich hab’ sie schon seit Monaten beobachtet, ohne ihr gewachsen zu sein. Sie schiebt sich vor und flüstert vertrauensselig: „Kann ich mal eben vor, ich hab’ was aus der Tiefkühltruhe.“

Ihr Trick ging so lange gut, bis sie an einen kam, der lautstark in die Warteschlange hinein rief: „Hier ist eine Dame, die möchte vorgelassen werden, weil sie etwas aus der Tiefkühltruhe hat.“

Und dann hob doch tatsächlich der allerletzte aus der Reihe, ein Graubärtiger mit Mantel, eine Dose hoch und rief zurück: „Das geht nicht, sonst wird mein Bier warm.“