Hand aufs Herz und Zeigefinger auf die Fernbedienung – ist es nicht ein herrliches Gefühl, sich nach einem langen anstrengenden Urlaubstag im Hotelzimmer gemütlich und fast wie daheim vor der Glotze lümmeln zu können? Welch segensreicher Fortschritt, welch fundamentaler Beitrag, auch in der Ferne nicht auf das Vertraute verzichten zu müssen.

Wie haben wir uns doch früher gefreut, wenn wir in Amerika selbst in der schlichtesten Motelklitsche via TV noch mehr Leben in die Bude holen konnten: Spielshow und Quiz, Western und Country-Music, "Dallas" und "Dynasty", Prediger und Boxkampf. Natürlich hatten wir den Apparat jede Sekunde, die wir im Zimmer waren, nur deshalb laufen, um durch beständige Berieselung unsere Kenntnisse in amerikanischer Umgangssprache und Lebensart zu vervollkommnen, besonders, wenn es sich um Comics handelte.

Keine Frage. Reisen in Deutschland hat eine neue Qualität bekommen, seit der Fernseher im Hotelzimmer so selbstverständlich geworden ist wie Duschgel im Bad und Müsli auf dem Frühstücksbuffet. Auch für einen Kurztrip entscheiden wir uns viel leichter, seit wir wissen, daß wir trotz Ausflugs weder ein Fußballfreundschaftsspiel gegen Italien noch ein Grand-Slam-Turnier oder die sechste Folge der "Drombuschs" verpassen.

Schließlich können wir in den Ferien auch einmal bedenkenlos das Kinderprogramm und sämtliche Vorabendserien sehen und uns schließlich ohne schlechtes Gewissen den allerletzten Hausfrauenreport von den Privatsendern reinziehen. Bildungsurlaub sozusagen.

Warum wir gerade jetzt über die Annehmlichkeiten des Ferienfernsehgenusses grübeln? Der Vorsitzende der Arbeitsgruppe Fremdenverkehr und Tourismus der CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat uns aus unserem seligen Fernsehschlummer mit der bangen Frage aufgeschreckt: "Müssen deutsche Hotelgäste in die Röhre gucken?" und uns auf schwerwiegende Probleme aufmerksam gemacht, an die wir in unserem sorglosen Fernsehglück nie einen Gedanken verschwendet hatten. Dem deutschen Hotelier nämlich kommt unsere Fernsehsucht jetzt teuer zu stehen. 14,30 Mark pro Monat und Gerät mehr als bislang muß er löhnen, um uns zu unserem TV-Glück zu verhelfen, so will es die neuste Gebührenregelung.

Was nun wird der Gastwirt tun? Wird er, wenn man ihm die Jahresabrechnung präsentiert, in allen Zimmern flugs die Stecker rausziehen und die Fernseher verschleudern? Werden sie wieder anbrechen, die schlimmen, die fernsehlosen Zeiten?

Wir glauben’s nicht so recht. Denn schließlich flimmern ja über die nämliche Kiste nicht nur die jugendfreie "Lindenstraße" und der anständige "Doktor Specht", sondern dort wird – was wir natürlich nur aus Programmankündigungen und am Frühstückstisch erhaschten Gesprächsfetzen wissen – auch manche Video-Schweinigelei gezeigt. Für den Genuß solch derber Kost wird stillschweigend gezahlt. Und das wird doch wohl ausreichen, uns das "Literarische Quartett" im Hotelzimmer zu subventionieren. Monika Putschögl