Frank Rubino fielen nur noch bittere Witze ein. Die Ankläger, sagte Manuel Noriegas Verteidiger in seinem Schlußplädoyer, hätten derart viele Deals gemacht, daß wenigstens das Problem der Gefängnisüberfüllung gelöst sei. Ohne die Hilfe von 21 Kronzeugen wäre Panamas ehemaliger „Maximo Lider“ wohl kaum von einem Geschworenengericht in Miami vergangene Woche der Verschwörung und des racketeering – auf deutsch: der Geschäftemacherei mit Gangstermethoden – für schuldig befunden worden.

Aber es waren nicht einfach deals, es waren sweetheart deals, Herzblattgeschäfte. Für seine belastende Aussage wurde Carlos Lehder, erst 1988 zu „lebenslänglich“ plus 135 Jahren wegen Rauschgifthandels verurteilt, mit einer Behandlung nach dem „Zeugenschutzprogramm“ belohnt: Die amerikanische Regierung hat seine Familie eingeflogen und sie zusammen mit dem redefreudigen Delinquenten an einen geheimen Ort verbracht. Luis del Cid, Noriegas „Laufburschem“, hätten siebzig Jahre aufgebrummt werden können. Nun aber fordern die Staatsanwälte lediglich zehn Jahre. Max Mermelstein, der „Transportfachmann“, hätte „lebenslänglich“ plus neunzig Jahre erhalten können. Jetzt kommt er nach zwei Jahren und 21 Tagen frei – mit einer Zeugenentschädigung von 700 000 Dollar.

Kein Wunder, daß diese drei und achtzehn andere Zeugen bereit waren, alles zu bestätigen, was die Staatsanwaltschaft dem Exdiktator vorwarf. Doch auch ihre Beweise waren keine solchen. Lehder etwa konnte nicht bestätigen, Noriega bei verschwörerischen Absprachen mit den Mitgliedern des Medellin-Kartells beobachtet zu haben.

Auch manchem Geschworenen muß unwohl gewesen sein. Erst nachdem Richter William Hoeveler sie ermahnt hatte, rangen sie sich das Urteil „schuldig“ ab. Das Strafmaß legt er fest. 120 Jahre Haft kann die Höchststrafe betragen, in drei Monaten wird Hoeveler sie verkünden. Das gibt noch viel Zeit für einen weiteren Deal, an dem jetzt gearbeitet wird. Die Staatsanwälte schlossen nicht aus, daß sie womöglich mit Noriega selber ins Geschäft kommen werden. Schließlich verfüge auch er über wichtige Kenntnisse im Drogenhandel und könnte an einem verkürzten Strafmaß interessiert sein.

Es könnte passieren, daß dem 58jährigen ein Wunsch in Erfüllung geht, von dem Millionen Amerikaner träumen: den Lebensabend in Freiheit unter Floridas Sonne zu genießen. M.S.