Taxol, ein vielversprechendes natürliches Mittel für die Krebs-Chemotherapie

Von Ludwig Kürten

Eine Karriere mit Hindernissen – so könnte man die Geschichte des Naturstoffes Taxol nennen, die vor rund dreißig Jahren hoffnungsvoll begann. Aus einer weithin als wertlos erachteten Baumart wurde damals ein Wirkstoff isoliert, der sich in Routinetests als Antikrebsmittel entpuppte und gegen einige besonders bösartige Tumorformen wirksam erwies.

Dann aber begannen die Probleme. Bei ersten Tests an Patienten traten schwere allergische Reaktionen auf. Erst Jahre später stellte sich heraus, daß sie von dem Öl verursacht werden, mit dem der Wirkstoff für eine Injektion verdünnt werden muß. Als weiteres Hindernis erwies sich, daß man riesige Mengen an Baumrinde verarbeiten muß, um die benötigten Mengen zu erhalten: Neun Tonnen Rinde ergeben nur ein Kilo Taxol. So reichte die zunächst vorhandene Menge nicht einmal aus, um alle notwendigen, geschweige denn alle wünschenswerten klinischen Studien durchführen zu können. Zu guter Letzt ist der Wirkstoff chemisch so kompliziert, daß bis heute noch kein Verfahren entwickelt werden konnte, um ihn künstlich herzustellen.

Wichtige Entdeckung

Deshalb ist dem Antikrebsmittel Taxol bis heute der endgültige Durchbruch versagt geblieben, obwohl Fachleute diese Substanz als „die wichtigste Entdeckung in der Krebs-Chemotherapie seit Jahrzehnten“ bezeichnet haben.

Taxol ist ein pflanzlicher Stoff, der zuerst aus der Rinde eines Nadelbaums, der Pazifischen Eibe Taxus brevifolia, extrahiert worden war. Dieser Baum ist vor allem in den Nationalparks im Westen der USA heimisch. Es bedarf eines aufwendigen Verfahrens, um den Wirkstoff zu isolieren. Um ein einziges Gramm Taxol zu erhalten, muß beispielsweise die Rinde von drei bis vier mindestens sechzig Jahre alten Bäumen verarbeitet werden. In den Nadeln ist die Substanz in noch geringerer Konzentration enthalten. Diese Baumart wächst außerdem langsam: Nach hundert Jahren hat sie erst einen Stammdurchmesser von rund dreißig Zentimetern erreicht.