DIE ZEIT

Wenn der Wille zum Handeln fehlt

Wer sich darüber wundert, daß die nationalen Wahlen verschiedener Länder während der letzten Wochen fast alle Protestwahlen waren – Protest gegen eine wortreiche, aber tatenarme Führungsschicht –, der sollte sich den Zustand auf der internationalen Ebene vor Augen führen.

Ein Traum?

Finster entschlossen, den Traum – respektive Alptraum – Berlin 2000 wahr zu machen, haben die Herren Diepgen, Daume & Co. von der olympischen Veranstaltungsgesellschaft nun also getan, was sie nicht lassen konnten, und Berlins Hut auch formell in den olympischen Ring geworfen.

Ein bitteres Osterei

Dies Osterei wird einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen: Streik steht ins Haus, diesmal im öffentlichen Dienst, wo die Tarifverhandlungen für die 2,3 Millionen Beschäftigten in Westdeutschland in der Nacht zum Dienstag scheiterten.

Stolpe gegen Gauck

Manfred Stolpe ist ein Mann mit starken Nerven. Abschalten zu können, zählt er zu seinen hervorstechenden Eigenschaften. Er schläft auch jetzt gut, da es von allen Seiten Rücktrittsforderungen hagelt.

Alter Geist

Ein arbeitsunfähiges Parlament hat eine arbeitsfähige Regierung lahmgelegt. Rußlands junge Reformminister haben ihrem Regierungschef Boris Jelzin den Rücktritt angeboten.

Zeitspiegel

Kurz vor Redaktionsschluß erreicht uns ein Protestschreiben gegen die Protestwahl im Ländle. Nein, es richtet sich nicht gegen die Stimmenauszählung – in Stuttgart funktionierten die Computer.

Worte der Woche

„Angesichts der Spannungen, die in den vergangenen Monaten durch Meinungsunterschiede zwischen uns zu einer Reihe von Themen entstanden sind, sind wir übereingekommen, daß eine Trennung für jeden von uns das Beste ist.

"Der lange Atem der Wahrheit"

Brandenburgs Ministerpräsident im ZEIT-Gespräch: Ist das Verfahren der Gauck-Behörde rechtsstaatlich zu verkraften?

KOLUMNE: Warten auf Montesquieu

Die politische Klasse unseres Landes", kommentierte Theo Sommer am 10. April in dieser Zeitung die letzten Landtagswahlen, "hat den Knüppelhieb über den Schädel mehr als verdient.

Nach dem Schock der beiden Landtagswahlen: In der CDU beginnt eine Richtungs- und Führungsdebatte: Abschied von den großen Mehrheiten

Die CSU hatte es kommen sehen, um so größer ihr Zorn. Der Bayernkurier wettert in seiner Ausgabe nach den Wahlen über die Versäumnisse der Schwesterpartei CDU: Der Mißbrauch des Asylrechts solle endlich im Sinne von Theo Waigel durch wirksame Maßnahmen unterbunden werden, nationale und konservative Wähler müßten in der Union wieder stärker ihre Heimat finden.

„Ein Recht auf Zuwanderung kann es nicht geben“

Däubler-Gmelin: Ich hoffe das. Im vorigen Herbst waren wir weiter. Der Wahlsonntag sollte auch in der Union die Erkenntnis wachsen lassen, daß das Schüren von Ängsten und das Angebot von Scheinlösungen nur Rechtsextremisten nutzt.

Schießwütige Schinder

Dämpft Gewöhnung auch das Entsetzen? Nicht die Tag für Tag gequälten Menschen aller Nationalitäten des ehemaligen Jugoslawien machen noch Schlagzeilen, nur ihre unentwegt schießwütigen Schinder – und die Politiker, die mit geduldigem Papier nun auch in Bosnien-Herzegowina das Chaos zu entwirren und das gegenseitige Abschlachten zu beenden versuchen.

Vorwahlen in Amerika: Müde Kämpfer, mürrische Bürger

So sicher wie das Amen in der Kirche kam das: Ob er seine Frau schon einmal betrogen habe? Ob er Pot geraucht habe? Ob er auch wirklich die Wahrheit sage? Kaum hatte er das politische Pflaster der Hauptstadt betreten, prasselte auf Ross Perot ein, was als die Quintessenz des diesjährigen Wahlkampfes gilt: die „Charakterfrage“.

Wolfgang Ebert: Neue Gangart

Jetzt üben wir mal das Aufeinanderzugehen in der freien Natur“, ordnete Trainer Kückel an. „Sie, Herr Kohl, kommen von rechts und Sie, Herr Engholm, von links.

Präsidentenputsch in Peru: Der Zauberlehrling von Lima

Ehrlich und fleißig wolle er regieren, hatte Alberto Fujimori versprochen; jetzt kommt die Willkür noch hinzu. Perus Präsident hat sich mit Hilfe der Militärs zum Alleinherrscher ernannt, die Grundrechte suspendiert, die Presse geknebelt.

Ben Witter: Angetippt

Betroffenheit ist das Wort der Stunde, und was es auch betrifft, ob Autounfälle, Flugzeugabstürze, Hungersnöte, Leichenberge, Zusammenbrüche, es scheint sich nie ganz festlegen zu wollen, kerbt keine Mienen zu Falter und drückt nur unmerklich auf die Stimmen von Ansagern, Kommentatoren und Politikern.

Noch sechs Wochen bleiben bis zum Erdgipfel in Rio. Die Experten aller Länder produzierten 24 Millionen Seiten Papier – und setzten die Zukunft des Planeten in Klammern.: Das Glashaus im Treibhaus

Vor zwölf Stunden hatte Maurice Strong wieder einmal sein Gottvertrauen unter Beweis gestellt: "Selbst die Bibel ist erst nach langen Verhandlungen geschrieben worden", hatte er die skeptische Frage pariert, ob denn die tiefen Widersprüche und flachen Kompromißformeln in den Beschlußentwürfen für die wohl größte Tagung seit Adam und Eva in Rio überhaupt noch einen Erfolg zuließen.

Bonner Bühne: Jede Menge Putz

Der Schaden hält sich in Grenzen – aber immerhin: zerborstene Scheiben, Risse in Wänden und Decken, jede Menge abgebröckelter Putz.

Nachruf: Zum Tode von Martin Hirsch: Richter mit Leidenschaft

Martin Hirschs Lebensprogramm war es, nicht den Mund zu halten – und den Deutschen beizubringen, nicht den Mund zu halten. Er fiel in Bonn in Ungnade und wurde deswegen auch nicht Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichts, was ihm versprochen worden war.

Weltbühne: Frieden in Afghanistan?

Kommt Afghanistan nach zwölf Jahren blutigen Gemetzels nun endlich zur Ruhe? Am vergangenen Freitag hat Uno-Generalsekretär Boutros Ghali einen neuen Friedensplan vorgestellt, dem die Bürgerkriegsparteien – mit Ausnahme der radikalen Islamisten – sofort zugestimmt haben.

Verhütung ist Luxus

In den Entwicklungsländern können europäische Verfahren der Geburtenkontrolle nicht funktionieren

Arbeitsteilung

„Ich glaube, daß die geistigen Bewegungen tatsächlich im Osten stattfinden und nicht im Westen, wo sich seit den letzten 20 Jahren leider wenig entwickelt hat.

Je älter, desto besser

Beamte, Arbeiter und Angestellte des Staates können Einkommensrückstände meist im Ruhestand ausgleichen

Warten auf Gerda H.

Wie lange können sich die Beitragszahler Gesundheitsministerin Gerda Hasselfeldt (CSU) noch leisten? Die Krankenkassen stöhnen unter der Kostenlast, die Beiträge steigen – aber in Bonn rührt sich nichts.

Arbeitslosigkeit: Traurig

Es geht wieder aufwärts – und das bedeutet nichts Gutes. Zum ersten Mal seit 1983 werden in diesem Jahr in den alten Bundesländern die Arbeitslosenzahlen steigen, wie die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Frühjahrsgutachten voraussagen.

Freihandel: Ärgerlich

Protektionismus ist wie Doping: Alle sind dagegen, aber jeder tut es. Amerikaner, Japaner und Europäer, die so beharrlich die frohe Botschaft des Freihandels unter die Völker dieser Welt tragen, gehen notfalls rigoros gegen unbequeme Importeure vor, und zwar meist dann, wenn die Betroffenen sich nicht wehren können.

Bonner Kulisse

Erstaunlich, wie manch einer seine Mitverantwortung für Fehlentscheidungen verdrängt und heute fordert, was er gestern noch verworfen hat.

Parteienfinanzierung: Weniger Staat

Die Kommentare der großen Bundestagsparteien zum Urteil des Verfassungsgerichts über die staatliche Finanzierung der Parteien klangen so, als hätten ihre Kassenwarte gar nichts anderes erwartet.

Heinz Blüthmann:: Autowahn statt Eisenbahn

Trotz Flüster-Brummis, Katalysatoren und neuer Dieselpersonenwagen mit lediglich fünf Litern Verbrauch auf hundert Kilometer: Der umweltfreundliche Autoverkehr ist und bleibt ein Märchen der PS-Branche.

Rudolf Engen: Luxus mit Tarnkappe

„Statt sportlich aufgetakelter Wagen kaufen die Trendsetter jetzt Wagen, die ganz normal und harmlos aussehen. Aber die haben es unter der Haube! Der BMW M 5 hat 315 PS.

Armee im Schlußverkauf

Das Geschäft der staatlichen deutschen Verwertungsfirma Vebeg mit Militärgütern aller Art blüht

Berlin: Todesstoß vom Staat

Horrende Mietsteigerungen ruinieren viele kleine Läden – einer der größten Preistreiber ist der Bund

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