Mit Kombi-Anleihen können Anleger auf legale Weise die neue Quellensteuer umgehen

Die Abteilungen der Banken für financial engineering haben schon viele neue Produkte zurechtgehobelt – so viele, daß der Markt fast gesättigt schien. Doch die kommende Zinsabschlagssteuer hat die Kreativität der Finanzschreiner nochmals beflügelt: Als Kontrapunkt zur Quellensteuer des bayerischen Finanzministers Theo Waigel haben Experten der Hamburgischen Landesbank die Kombizins-Anleihe entwickelt. Inzwischen gibt es gleichartige Angebote der WestLB, der Rheinland-Pfälzischen Landesbank, der DSL-Bank, der Landesbank Berlin und, wenn auch nur für den eigenen Kundenkreis, der Vereins- und Westbank.

Insgesamt beläuft sich das Emissionsvolumen bisher auf rund eine halbe Milliarde Mark. Aber es werden noch mehr Emittenten auf den Geschmack kommen, denn das neue Papier erscheint für eine bestimmte Gruppe steuerehrlicher Bürger sehr attraktiv. Doch es kann auch fiskusfeindlich genutzt werden – bis hin zur legalen Umgehung der neuen Quellensteuer. In der hamburgischen Bürgerschaft hat es deshalb schon Anfragen gegeben, ob gerade ein öffentlich-rechtliches Institut die Vorreiterrolle bei solchen Produkten spielen solle. Die Hamburgische Landesbank hält freilich nichts davon, sich im Konkurrenzkampf mit privaten, genossenschaftlichen oder öffentlich-rechtlichen Instituten selbst zu beschränken: Man sei Universalbank, heißt es am Hamburger Gerhart-Hauptmann-Platz.

Die Kombizins-Anleihe ähnelt in den ersten Jahren ihrer Laufzeit einem Zerobond (Nullkupon-Anleihe), in den letzten Laufzeitjahren einer Hochzins-Anleihe. Die Ausgabe eins der Kombizins-Anleihe aus Hamburg ist zum Beispiel ein Papier mit zehn Jahren Laufzeit, wirft in den ersten fünf Jahren aber keinen Pfennig Zinsen ab. Der Zinsgewinn sprudelt erst vom fünften Jahr an, dann aber kräftig mit neunzehn Prozent jährlich. Die Ausgabe zwei der hamburgischen Kombizins-Anleihe bringt sechs Jahre lang nichts, dafür in den letzten vier Jahren 24,75 Prozent – jährlich. Die WestLB hat ein Papier mit neun Jahren Laufzeit herausgebracht, von denen nur die letzten drei Jahre mit Zinsen bedacht sind, und zwar in Höhe von 28,63 Prozent. Die Renditen der hier beispielhaft genannten Kombis liegen, auf die ganze Laufzeit berechnet, zwischen 7,5267 und 7,55 Prozent.

Der Unterschied zu einem Zerobond ist folgender: Anders als dieser werden die Kombizins-Anleihen nicht abgezinst verkauft, sondern zu einem Emissionspreis von rund hundert Prozent. Das Argument der Finanzämter, im abgezinsten Kurs liege ein garantierter und somit versteuerbarer Gewinn, zieht bei den Kombis nicht – jedenfalls noch. Und die Zinsen fließen früher als bei den Nullkupon-Anleihen – die Steuern auf die Zinsen verteilen sich somit ebenfalls auf mehrere Jahre. Anders als bei den Zeros, deren Kurswert ständig steigt und am Schluß auf dem Kurshöhepunkt ist, steigen die Kurse der Kombis dagegen nur bis zum ersten Zinszahlungstermin auf gut 146 Prozent. Dann fällt der Kurs bis zum Ende der Laufzeit wieder auf hundert Prozent zurück.

Die Kombizins-Anleihen entsprechen in ihren Risiken den anderen Rentenpapieren der jeweiligen Schuldner: Die Hamburgische Landesbank nennt sich, sicher zu Recht, einen erstklassigen Emittenten. Ein Zinsausfallrisiko existiere quasi nicht. Leichte Risiken ergeben sich allenfalls für den, der das Papier nicht für die gesamte Laufzeit halten will, sondern lediglich auf den Kursgewinn schielt. Und den werden die Emittenten, trotz aller anderslautenden Versicherungen, angesichts der neuen Quellensteuer auch mit im Blick gehabt haben, als sie die Kombis ausgaben.

Während Zinseinnahmen versteuert werden müssen, sind Kursgewinne noch immer steuerfrei. Nur als die Zerobonds überhandnahmen und dem Fiskus allzuviel Steuern verlorenzugehen drohten, konstruierte er die schon angedeutete Ausnahme. Seitdem gelten Kursgewinne auf abgezinste Papiere als real zugeflossene Zinsgewinne und werden in Höhe der bei der Ausgabe errechneten Rendite versteuert. Eine ähnliche Sonderregelung ist auch für die Kombizins-Anleihe denkbar – und vorbei wäre es mit dem Renditevorsprung dieser neuen Kreation von bis zu 0,95 Prozentpunkten nach Steuern. Aber noch nutzen die Kombis eine Gesetzeslücke. Und die Wahrscheinlichkeit, daß die Lücke bleibt, schätzen die Wertpapiererfinder nach Rücksprache mit ihren Steuerabteilungen als recht hoch ein. Die Kombis sind steuerlich nämlich kaum in den Griff zu bekommen. Schwierig wird es vor allem, wenn institutionelle Investoren (Versicherungen, Pensionskassen und ähnliche) die Kombizins-Anleihe in den letzten Jahren zu einem hohen Kurs kaufen: Sie können später die Differenz zwischen Kaufkurs und niedrigerem Nominalwert absetzen und Steuern nur auf den um die Abschreibung verminderten Zinsbetrag zahlen.