Ein intelligentes und interessiertes Volk wie die achtzig Millionen Deutschen, so hatte Helmut Markwort, Blattmacher und Vorstandsvormitglied im Münchner Burda Verlag, verkündet, "verträgt vier Nachrichtenmagazine". Am zweiten – Arbeitstitel Zugmieze – bastelt Markwort derzeit. Es soll als Anti-Spiegel schon zum Jahresbeginn 1993 erscheinen.

Der Hamburger Verleger Thomas Ganske muß die Kunde aus München vernommen haben: Auch aus dem Hoffmann & Campe Verlag soll im kommenden Jahr eine "neue Wochenzeitschrift" kommen. Chefredakteur wird Manfred Bissinger, derzeit noch Chef bei Ganskes Reisemagazin Merian, aber eigentlich schon für die Chefredaktion von Geo bei Gruner + Jahr auf der Payroll. Schon länger arbeitet Werner Funk, Ex-Chefredakteur des Spiegel, an einem Wochenobjekt – für Gruner + Jahr. Heftiges Gedränge ist also angesagt – um die Leser wie auch um die Anzeigenkunden.

Deutsche Autofahrer, die im benachbarten Ausland tanken wollen, werden dort bald schon verstärkt auf eine bekannte Marke stoßen. Die Dea – neben Aral die einzige große Mineralölmarke mit deutschem Hauptquartier – geht auf Expansionskurs. Mit dem Kauf der französischen Firma Etablissements Calmes in Metz sicherte sich der expansive Hamburger Mineralölriese mit deren 39 Tankstellen in Lothringen ein Standbein jenseits des Rheins. Auch die für die Dea-Raffinerien günstig gelegenen Nachbarmärkte Belgien und Luxemburg sind schon im Visier der hanseatischen Tankstellenakquisiteure. Doch bei der Westausdehnung will es Dea-Vorstandschef Peter Koch nicht belassen: In Polen und der ČSFR stehen Verträge über den Aufbau eines Dea-Zapfstationennetzes kurz vor dem Abschluß.

Offenbar will der finanzstarke Mutterkonzern, der Essener Stromgigant RWE, zu dem die Dea über die Chemie- und Mineralölholding RWE-DEA AG gehört, sein Ölgeschäft rasch ausbauen.

Die französische Neuerwerbung der Dea-Leute kann auch als eine kleine Revanche gewertet werden. Die beiden französischen Mineralölkonzerne Elf Aquitaine und Total sind in jüngster Zeit besonders aggressiv auf der Suche nach Marktanteilen in den neuen Bundesländern aufgetreten. Dea und Veba (Aral) mußten einen Anteil der von ihnen erworbenen Großraffinerie im ostdeutschen Schwedt an die Total und die Elf abtreten. Zudem hatte der Staatskonzern Elf im Verein mit Thyssen (ZEIT Nr. 5/92) durch den Zuschlag für den Ex-DDR-Monopolisten Minol (über tausend Tankstellen) einen einträglichen Coup gelandet. Jetzt werden die Calmes-Tankstellen, an denen noch das Total-Markenzeichen prangt, baldmöglichst in die Dea-Farben umgespritzt.

Die Aretsrieder Großmolkerei Alois Müller GmbH & Co. gibt nicht auf. Im Schadensersatzprozeß gegen den Grünen-Abgeordneten Raimund Kamm haben jetzt die Gutachter das Wort. Sie sollen klären, ob der Landtagsabgeordnete im Zusammenhang mit den von Müller verwendeten Kunststoffbechern von "giftigem Plastikmüll" sprechen darf. Der Parlamentarier weigert sich, diese Aussage zurückzunehmen. Bei weit über 700 Millionen Bechern pro Jahr, die entweder deponiert oder verbrannt würden, sei der umstrittene Ausdruck gerechtfertigt. Kamms Äußerungen, so die Molkerei, hätten dazu geführt, daß im August vergangenen Jahres Käufer rund fünfzehn Millionen Becher in den Regalen stehen ließen. Errechnet hat die Molkerei die Zahlen aus einem prognostizierten Umsatzzuwachs, der nur im August hinter den Erwartungen zurückblieb. Deshalb soll Kamm der Molkerei mindestens drei Millionen Mark Schadensersatz bezahlen.

Unabhängig vom Schadensersatzprozeß gegen den Abgeordneten, dem die Molkerei eine Hetzkampagne vorwirft, scheint sich die Aretsrieder Firma in ihrer Pressearbeit neu zu orientieren. Mehreren Journalisten gegenüber hat Müller-Milch-Geschäftsführer Gerhard Schützner erklärt, daß die Firma Fehler gemacht habe. Schlechter Presse soll künftig ein journalistischer Berater vorbeugen: Der Ex-Regierungssprecher und einstige Bild-Chef Peter Boenisch soll die Allgäuer Öffentlichkeitsarbeit auf Vordermann bringen. Boenisch, der 1985 im Zusammenhang mit der Flick-Affäre selbst über eine Steuerhinterziehung stolperte, betonte damals, sich selbst nie um seine Einnahmen zu kümmern. Ob das beim Beraterhonorar von Müller-Milch auch so ist, haben die Beteiligten noch nicht verraten.