Von Christiane Peitz

Kennen Sie den? Ein Wessi erzählt einem Ossi Trabi-Witze. Einen nach dem andern, die ganze nächtliche Fahrt über den Brenner lang. Fröstelnd entsteigt der Ossi in der Morgendämmerung dem gemeinsamen Gefährt, in dem sich der Wessi wohl bis in alle Ewigkeit an seinen Witzen wärmen wird. Die Komik der Szene liegt in der Kombination von Kürze (der Witze) und Länge (der Fahrt). Vor lauter Gelächter vergeht einem das Lachen: Peter Timms Film "Go Trabi Go" entstammt einer Zeit, in der allein das Wort Beitrittsgebiet noch heiter stimmte.

Sechs Monate später: Didi Hallervorden probiert Stasi-Witze. Sitzt allein vor seinem Häuschen in Frankfurt/Oder und kalauert vor sich hin. Nicht einmal der Briefträger findet das komisch. Kein Wunder, daß der Mann arbeitslos ist: Hallervorden spielt Kasulke, einen Ex-DDR-Komiker, dessen Witze keiner mehr hören will.

"Alles Lüge" von Heiko Schier ist eine der drei Komödien zur Einheit, die jetzt in die Kinos kommen. Ein Film aus einer Zeit, in der immer mehr Bundesbürger (West wie Ost) bedauern, daß dieses Land nicht mehr existiert: Noch nie hatte die DDR so viele Fans wie seit ihrem Verschwinden.

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"Der Witz", hat Jean Paul einmal gesagt, "ist der verkleidete Priester, der jedes Paar traut." Friedrich Theodor Vischer ergänzte, er traue die Paare am liebsten, deren Verbindung die Verwandten nicht dulden wollen. Sigmund Freud nannte diese Technik gar "Unifizierung": Wo also, wenn nicht im Witz, ließe sich die Einheit der Deutschen besser vollziehen? Der ungeheure Aufwand, der politisch, gesellschaftlich und finanziell vonnöten ist, um die beiden Volkshälften zusammenzufügen – im Witz läßt er sich mit einem Schlag erledigen. Eine gelungene Pointe, und schon erübrigen sich Podiumsdiskussionen, Gerichtsverhandlungen und Förderprogramme. Der Witz, keine Frage, wäre die ideale Sparmaßnahme.

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