Von Fredy Gsteiger

Sie ist "bloß eine Puppe", meinte ein finnischer Offizier, als sie vor über einem Jahr Verteidigungsministerin wurde, die erste der Welt. Ein Journalist sah in ihr "das charmante Mannequin". Elisabeth Rehn, 57 Jahre alt und schon neunmal Großmutter.

Die Tonlage in Finnland Elisabeth Rehn gegenüber wechselte inzwischen von unverschämt zu gönnerhaft. Wurden aufgewühlte Männerseelen ein wenig beruhigt durch das Bekenntnis der Ministerin, sie sei keine Feministin, "sondern eine Frau"? "Es bestand ein gewisses Risiko", befindet jetzt jedenfalls der sozialdemokratische Abgeordnete Paavo Lipponen, "aber sie schlägt sich besser, als ich erwartet habe." Ein Diplomat in Helsinki sekundiert, sie habe "ihre Hausaufgaben gemacht" und führe den Laden gut.

Das gelbe Steinhaus mit den hölzernen Fensterkreuzen, in dem "der Laden" untergebracht ist, könnte genausogut das Heimatkundemuseum beherbergen.

Am Eingang ein gähnender Pförtner, im Flur grüne Topfpflanzen, im Vorzimmer der Hausherrin statt des erwarteten strammen Adjutanten eine lächelnde junge Frau. Hingen da nicht ein paar Uniformmäntel in der Garderobe, kein Mensch würde hier das Nervenzentrum finnischer Verteidigungsbereitschaft vermuten.

Die für Besucher ausliegende Jane’s Defence Weekly paßt nicht recht zu dem Aquarell einer Schilflandschaft. Flugzeugmodelle oder Minikanonen stehen nicht auf Elisabeth Rehns Schreibtisch. "In einer Armee", sagt die elegante Dame im dunkelblauen Deux-pièces mit Goldbrosche, "zählen für mich in erster Linie die Menschen und nicht die Waffen." Und wenn sie mitunter als "Soldatenmutter" belächelt wird, so empfindet sie das keineswegs als Kränkung; sie freut sich über die vielen, "oft sehr persönlichen Briefe" von Wehrmännern. Sie weiß auch, daß sie nicht zuletzt deshalb auserkoren wurde, um in der Bevölkerung die Armee populär zu halten.

Elisabeth Rehn, die auch Präsidentin des finnischen Unicef-Komitees ist, räumt ein, daß sie sich lieber als Entwicklungshilfeministerin sähe. Ehemann und Freunde hatten denn auch gewarnt, "in die Falle zu tappen", die man ihr mit dem Angebot des Verteidigungsministeriums stelle. Entweder das Verteidigungsamt oder keines, hieß die Alternative, nachdem ihr, der langjährigen Abgeordneten aus der Volkspartei der schwedischen Minderheit in Finnland, der Sprung zur Parteivorsitzenden mißglückt war.