Der deutsche Aktienmarkt hat sich auch in den vergangenen Tagen als widerstandsfähig erwiesen. Die starken Einbrüche an der Tokioter Börse haben ihn ebenso unberührt gelassen wie die zeitweisen Irritationen an der Wall Street. Dies lag in erster Linie an dem jeweils nur geringen Angebot. Wer deutsche Aktien besitzt, sieht offensichtlich derzeit keinen Grund mehr, sie zu verkaufen. Hinzu kommt, daß kaum noch Kreditengagements auf Aktienbestände bestehen. Riskante Spekulationen dieser Art seien nur noch gelegentlich zu beobachten, heißt es bei den Banken.

Auch die Ausländer lassen sich an den deutschen Wertpapiermärkten als Verkäufer kaum blicken. Spekulative Engagements sind weitgehend abgebaut worden, so daß die Experten zur Zeit von einem sauberen Markt sprechen. Damit ist jedoch keineswegs jegliche Rückschlaggefahr gebannt. Es sei durchaus möglich, daß der Deutsche Aktienindex (Dax), der sich gegenwärtig um 1730 bewegt, noch einmal unter die Marke von 1700 rutscht. Das sei dann aber der Zeitpunkt, so heißt es, die Bestände weiter aufzustocken.

Solche Ratschläge lassen erkennen, daß allmählich Optimismus in die Anlagestrategie einfließt. Zum Teil kommt er von einer sich ändernden Zinsbeurteilung. Zinspolitische Erleichterungen werden mit einiger Sicherheit für die zweite Jahreshälfte erwartet. Der internationale Druck auf die Bundesbank, auch in Deutschland die Zinsen zu senken, nimmt zu. Was die Bundesbank zur Zeit noch daran hindert, das Geld billiger zu machen, sind die Lohnrunde und die Ausgabenpolitik der öffentlichen Hand.

Wirkliche Schwerpunkte haben sich im Aktienhandel der vergangenen Tage nicht herauskristallisiert. Dazu war die Umsatztätigkeit zu gering. Etwas lebhafter wurden Bankaktien gehandelt, stimuliert durch den Tarifabschluß. Da dieser jedoch kaum Überraschungen brachte, löste er auch nur geringe Kursänderungen aus.

Meinungskäufe waren zeitweise in den Autoaktien zu beobachten. Dabei fällt auf, daß der Daimler-Kurs in diesem Jahr mit einem Anstieg von nur knapp sechs Prozent hinter den Notierungen von BMW und VW zurückgeblieben ist, die knapp 25 Prozent zugelegt haben. Die Gerüchte über eine zwei Mark höhere Daimler-Dividende bewegten nur wenig, weil die Aufstockung offensichtlich nur der Vorbereitung auf die im November zu erwartende Kapitalerhöhung von rund zwei Milliarden Mark dienen soll. K.W.