Paul Bley und Gary Peacock haben zu einer Souveränität gefunden, die die alte Trennung zwischen traditionellem Jazz – sei er tonal oder modal – und freiem Spiel vergessen läßt. Sie scheren sich keinen Deut um die Erwartungen des Publikums, sie haben ihre eigenen. Und wenn Paul Bley dann als Zugabe zu Ornette Colemans "Ramblin" in die Klaviersaiten greift, sie anreißt und den Titel in ein kammermusikalisches Zitat aus der Klangwelt der Avantgarde ummünzt, spürt man, daß man an diesem Abend nur ein kurzes Stück an der Promenade mitgelaufen ist.

Sie verbeugen sich und hängen sich ihre Taschen um – mehr, haben sie nicht zu verlieren. Wer ihnen bisher nicht begegnet ist, dem sollte man ein paar Straßennamen nennen: "Partners" (Owl Records), "Paul Bley With Gary Peacock" (ECM), den NDR 3 mit einer Aufnahme des Konzerts, das am 9. Mai gesendet, wird oder das Label hatART, für das sie in der nächsten Woche, zusammen mit Franz Koglmann, eine Platte aufnehmen.

Es gibt wenige Musiker, denen man nach einem Konzert die Hand geben möchte, um ihnen zu danken. Paul Bley und Gary Peacock gehören dazu. Konrad Heidkamp