Der beste Vorschlag zur Familienplanung in Indien stammt von Bert Berelson vom World Population Council: „Schickt jedes Mädchen acht Jahre in die Schule, verbietet ihr frühe Eheschließung und schafft soziale Sicherheit, dann ist alles paletti.“ Dieses System der Geburtenkontrolle funktioniert freilich nur dort, wo es neben der Sexualität noch andere Genüsse gibt. Wenn dieser Wettbewerb und dazu elektrischer Strom fehlen, gewinnt die von Männern und Frauen gleichermaßen akzeptierte Familienplanung große Bedeutung.

In der Dritten Welt zeigt sich, daß die europäischen Standardverfahren der Geburtenkontrolle nicht annehmbar sind. Der Coitus interruptus und die Knaus-Ogino-Methode führen zu noch mehr Schwangerschaften als im Norden, so daß „Planungsfehlern“ noch mehr Abtreibungen folgen. Die Zeitwahl nach Knaus-Ogino sei nur für korrekte tagebuchführende Beamte geeignet, spotten Gynäkologen. Und die illegale Abtreibung ist lebensgefährlich. Weltweit sterben jährlich mehr als 200 000 junge Frauen und Mädchen an dem Eingriff.

Die im Norden entwickelten chemischen, hormonalen und mechanischen Verhütungsmethoden finden in den armen Regionen wenig Anklang: Sie sind zu teuer zu kompliziert zu benutzen und bei regelmäßigem Gebrauch zu gefährlich. Neue Methoden werden im Norden kaum noch entwickelt. Der Pharmaindustrie, die vor dreißig Jahren mit der Erfindung der Pille die begeistert gefeierte „Neue Zeit des Genusses ohne Reue“ einzuleiten schien, ist das Geld ausgegangen, und die internationale Wissenschaftlergemeinde hat die Lust an der Forschung verloren.

Denn für Entwicklung und Erprobung von Verhütungsmitteln wird viel Zeit benötigt. Dabei ist der Weg vom chemischen Laboratorium bis in die industrielle Produktion noch vergleichsweise kurz. Lang und mühsam wird er durch die notwendigen Feldversuche. Da medikamentöse oder mechanische Verhütungsmittel oft und über längere Zeiträume gebraucht werden, sind Langzeitstudien notwendig.

Und natürlich müssen Fachleute das Problem der Akzeptanz verschiedener Methoden vor unterschiedlichem soziokulturellen Hintergrund bedenken. Das kann sogar innerhalb Europas schwierig sein, wie Experten erfahren mußten, als sie die Annahme der Pille in verschiedenen Ländern untersuchten.

Auch europäische Frauen würden vermutlich den Vorstellungen von Sozialwissenschaftlern der Weltgesundheitsorganisation folgen, auch wenn sie zunächst abwegig klingen: Das ideale Kontrazeptivum der Zukunft müsse blau sein, behaupten sie, um nicht an Blut zu erinnern, und fern der Sexualorgane in den Arm injiziert werden können. Es solle lange halten, und die Wirkung müsse kurzfristig aufhebbar sein. Eine Utopie also?

Nein, die Zukunft hat schon begonnen: In Indien und in Australien haben die Forscher Talwar und Jones versucht, durch Schutzimpfungen Frauen gegen eine Schwangerschaft so „immun“ zu machen, als handle es sich um eine Infektionskrankheit.