Die Gesundheitskosten laufen davon, vor allem in den Krankenhäusern müßte gespart werden. Doch Bonn bleibt untätig.

Wie lange können sich die Beitragszahler Gesundheitsministerin Gerda Hasselfeldt (CSU) noch leisten? Die Krankenkassen stöhnen unter der Kostenlast, die Beiträge steigen – aber in Bonn rührt sich nichts. Arzneimittel, Ärzte, Krankenhäuser: überall wird Geld verschleudert, doch die Ministerin scheint es nicht zu kümmern. Experten und Verbände übertreffen sich mit Vorschlägen zur Kostendämpfung, aber bei Gerda Hasselfeldt prallen sie auf Beton.

Eine zweite Gesundheitsreform muß her. Neben den Ärzten sollte sie vor allem die Krankenhäuser zu Sparsamkeit zwingen. Denn die blieben beim ersten Versuch, den Norbert Blüm zu verantworten hat, weitgehend verschont. Dabei geht ein Drittel aller Ausgaben der Krankenkassen auf Kosten der Hospitäler. Und schon lange ist klar, daß dort das Geld mit vollen Händen zum Fenster hinausgeworfen wird.

Im vergangenen. Jahr stiegen die Ausgaben der Krankenhäuser um 7,6 Prozent. Das ging vor allem zu Lasten höherer Personalausgaben. Bei diesem Posten kann freilich nicht gespart werden. Schwestern und Pfleger bekommen für harte Arbeit wenig Geld. Wenn sich das nicht ändert, will sich bald niemand mehr um die Kranken kümmern.

Trotzdem ließen sich Ausgaben in Milliardenhöhe vermeiden, wenn die faulen Strukturen umgekrempelt würden. Vernünftige Vorschläge hierzu hat nun der Sachverständigenrat der Konzertierten Aktion im Gesundheitswesen vorgelegt.

Die Crux ist in einem unhandlichen Wort versteckt: Bedarfsdeckungsprinzip. Die Hospitäler können ausgeben, soviel sie wollen – die Krankenkassen müssen dafür geradestehen. Bislang rechnen die Kliniken über den allgemeinen Pflegesatz ab, der so berechnet wird, daß alle Kosten gedeckt sind. Neben Verschwendung führt das zu Freiheitsberaubung. Der Pflegesatz ist pro Patient und Tag immer gleich, egal welche Leistungen tatsächlich erbracht wurden. Operationen und Intensivpflege sind teuer, während ein genesender Patient nur die Kosten eines Hotelgastes verursacht. Vor allem aber: Je länger die Patienten liegen, desto lukrativer sind sie für das Krankenhaus.

Die Lösung steckt ebenfalls in einem komplizierten Wort: Fallkostenpauschalen. Die Klinik ermittelt mit den Kassen, wieviel eine bestimmte Operation mit anschließender Pflege tatsächlich kosten muß. Nur dieser Betrag wird in allen Fällen überwiesen. Die Krankenhäuser werden sich bemühen, die Kosten noch tiefer zu drücken, weil sie die Differenz behalten und sinnvoll investieren können. Bei chirurgischen Eingriffen haben sich Fallkostenpauschalen in mehreren Modellversuchen bewährt. Kosten und Liegezeiten sind gesunken.