Von Kuno Kruse

In einem Park bei Hamburg steht ein kleiner Holzkasten. "VORSICHT!" warnen große Buchstaben. "Hinter dieser Tür sehen Sie ein Exemplar des gefährlichsten Lebewesens, das jemals auf dieser Erde existiert hat." Der Spaziergänger nähert sich mit Schaudern. Welches Ekelwesen wird ihn anspringen? "ÖFFNEN AUF EIGENE GEFAHR." Ein beherzter Griff, der Kasten springt auf, und der Mensch sieht in einem Spiegel – sich selbst.

5 400 000 000 Exemplare dieser Raubtiergattung nagen am Planeten. Und es werden immer mehr. 7 in jeder Sekunde. 250 000 jeden Tag. Jeden Monat 7,5 Millionen, das sind 100 Millionen im Jahr.

Kaiser Augustus hätte zu Christi Geburt vermutlich 250 Millionen Menschen zählen können, 2000 Jahre später werden es mehr als 6 Milliarden sein, bis zum Jahr 2020 mehr als 8,4 Milliarden. Schon heute bevölkern mehr Menschen die Welt als jemals seit dem Auszug des Homo sapiens vor mehr als 100 000 Jahren aus Ostafrika gelebt haben. "Füllet die Erde, und macht sie Euch Untertan", gebot Gott den Menschen. Wann aber ist sie überfüllt?

Die Erde

Der Planet Erde, das sind, auf einer hauchdünnen Kruste und eingepackt in eine zehn Kilometer dicke Lufthülle, fünf Kontinente und sieben Weltmeere, 361 Millionen Quadratkilometer Wasser und 149 Millionen Quadratkilometer Land. Das sind Berge und fruchtbare Ebenen, das sind toskanische Gärten und texanische Traktorenpisten, chinesische Reisterrassen, argentinische Weiden und mongolische Steppen, kanadische Wälder und tropischer Dschungel, das sind Industrielandschaften, alles verschlingende Städte, fünfzehn Millionen Quadratkilometer ewiges Eis und vierzig Millionen Quadratkilometer Wüste.

91 Millionen Quadratkilometer, weniger als zwei Drittel der Landfläche, gelten als bewohnbar, 13,8 Millionen Quadratkilometer sind Ackerland, 2,2 Millionen werden regelmäßig bewässert.