Raus aus den Parlamenten!

Kurz vor Redaktionsschluß erreicht uns ein Protestschreiben gegen die Protestwahl im Ländle. Nein, es richtet sich nicht gegen die Stimmenauszählung – in Stuttgart funktionierten die Computer. Auch nicht gegen den Triumph der Schönhuberisten – der Schwabe gewöhnt sich an alles. Den Dr.-Ing. Karl-Friedrich Ziegahn, wohnhaft im Wahlkreis Nr. 30 (Bretten), regt ein ganz anderer Umstand auf: die vielen Lehrer auf seinem Stimmzettel. Einen Oberstudiendirektor schickte die CDU ins Rennen, einen Oberstudienrat die SPD. Für die Grünen trat ein Realschullehrer an (Ersatzbewerberin: eine Sonderschullehrerin), und die Liberalen stellten zur Abwechslung einen Studiendirektor auf. „Nichts gegen Lehrer“, schreibt der erzürnte Physiker Ziegahn, „aber gibt es sonst keine berufstätigen Mitbürger mehr, die sich zur Übernahme eines Mandats bereit erklären?“ Recht hat er. Und deshalb wollen wir seine conclusio nicht verschweigen: „Arbeiter, Angestellte und Geschäftsleute – raus aus den Parlamenten! Ihr stört doch nur die große Allparteien-Koalition der Berufsbeamten!“

Aufs Korn genommen

Reifes Getreide auf dem Felde stehenlassen und schauen, wie es verfault – für echte Bauern ein Frevel. Behörden sehen das anders. Ein Landwirt aus dem Badischen hatte 1989 seine Acker stillgelegt und sollte dafür 20 000 Mark Jahresprämie von der Europäischen Gemeinschaft erhalten. Die Natur aber läßt sich nicht einfach durch Brüsseler Geldgeschenke abschalten – aus der brachen Scholle sprossen frische Keime. Der Subventionsempfänger konnte der Versuchung nicht widerstehen und erntete das nachgewachsene Korn: Hühnerfutter im Werte von gerade 700 Mark. Ein kleiner Gewinn, der ihn um die große Prämie brachte. Der gute Bauersmann hätte nicht einmal Gemüse für den eigenen Kochtopf auf dem stillgelegten Arreal anbauen dürfen, entschied der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim. Damit nicht genug: Den Landwirt erwartet nun ein Verfahren wegen des Verdachts auf Subventionsbetrug.

Krankgrau und gesundgrün

Plakate sollen ins Auge stechen, anregen, provozieren. Aber, bitte schön, nicht allzusehr, sie könnten ja den Auftraggeber schockieren. Der Schweizer Graphiker Niklaus Toxler sollte ein Poster für die Mammutkonferenz von Rio entwerfen. Dort geht es im Juni um Entwicklung und Umwelt, also auch um den Regenwald. Also malte der Künstler, was ihm zum Thema einfiel: Baumstümpfe, die bluten. Pfeilgerade traf er die Achillesferse der südamerikanischen Teilnehmer am Erdgipfel. Sie lehnten das Plakat ab, weil es sie als schlimmsten Sünder im Tropenwald entlarvt. Prompt lieferte Toxler eine sanfte Version: eine Landschaft mit Farben, die zwischen krankgrau und gesundgrün changieren.