Können Sie erraten, was vor 25 Jahren ein Bett im Hamburger Hotel „Vier Jahreszeiten“ kostete, das im „Varta“ beschrieben wurde als „lobenswertes Luxus-Hotel“ mit „vorzüglichem Service“, in „aussichtsreicher Lage“ und mit einer „international berühmten Küche“?

Der „Varta Führer durch Deutschland 67/68 – Hotels Restaurants Sehenswürdigkeiten“ gibt Auskunft: Ein Bett kostete 34 bis 70 Mark, jenes international berühmte Menü übrigens 8 bis 14 Mark.

Richtig spannend wird es erst, wenn wir uns zum Vergleich ansehen, was man im Hamburger „Hotel Atlantic“ zu zahlen hatte, das im „Varta“ beschrieben wurde als „lobenswertes Luxus-Hotel“ mit „vorzüglichem Service“, in „aussichtsreicher Lage“ und mit einer „international berühmten Küche“: für ein Bett 34 bis 70, für ein Menü 8 bis 14 Mark. Wie der Zufall eben so spielt.

Kein Zufall, sondern eine offenbar unvermeidliche Entwicklung war es, die dahin führte, daß die beiden Hotels ein Neues gemeinsam haben: Keiner, der von einem mittleren Einkommen leben muß, kann es sich noch erlauben, auf eigene Kosten dort zu wohnen: Ein „Bett“, also ein Einzelzimmer kostet im „Vier Jahreszeiten“ 325 bis 400 Mark (plus 30 Mark fürs Frühstück) und das Hauptgericht 55 Mark.

Immerhin: Die beiden Hamburger Hotels haben ihre Stellung gehalten auf Platz 1 und Platz 2. Das gibt es sonst in keiner der anderen großen Städte, die wir kontrolliert haben. Zwar ist auch in München das „Vier Jahreszeiten“ an der Spitze geblieben; aber das ursprünglich an zweiter Stelle folgende „Continental“ ist auf Platz 9 gerutscht. Die führenden Hotels haben ihren Platz verloren, in Frankfurt („Interconti“), in Stuttgart („Schloßgarten“) und in Bonn („Königshof“). Während es in Frankfurt und Stuttgart nur leichte Verschiebungen gab, ging es in unseren beiden Hauptstädten drunter und drüber. In Bonn finden wir das einst führende Haus heute auf Platz 4, und die nächsten drei finden wir überhaupt nicht mehr. Erstes Haus am Platze ist jetzt das „Günnewig Hotel Bristol“, von dem vor 25 Jahren noch keine Rede war. In Berlin ist das alt-ehrwürdige „Bristol-Hotel Kempinski“ an die führende Stelle gerückt, heftig bedrängt vom „Grand Hotel Esplanade“ am Lützowufer (Platz 3). Weit abgesackt hingegen sind einst so berühmte Hotels wie das „Ambassador“, der „Schweizerhof“, „Bremen“, „Savoy“ und „Berlin“.

Die Einzelinformationen sind über die Jahre ziemlich die gleichen geblieben, nur daß eben jetzt Konferenzräume, Sauna, Solarium und Sportraum stark betont werden. Und „Varta“ ist, vermutlich durch Schaden, klüger geworden. Verhieß früher noch eine Schlafmütze „ruhig gelegen“, so heißt es heute vorsichtiger „ruhige Zimmer vorhanden“, und ein Blick-Symbol verspricht nicht mehr „aussichtsreiche Lage“, sondern nur noch „schöner oder interessanter Ausblick möglich“.

Wenn die Hotelführer mit dem Aufwand gemacht würden, den alle für sich in Anspruch nehmen, wenn also Hunderte von Inspektoren Tag und Nacht inkognito unterwegs wären (es geht ja bei „Varta“ immerhin um 7841 Hotels, 8056 Restaurants und 529 Cafés), dann müßte sich das zu Kosten addieren (und „Varta“-Inspektoren sollen ja unerkannt bleiben, also volle Preise zahlen), die das Produkt unverkäuflich machten. Es geht also nur dann, wenn der Sponsor davon überzeugt ist, daß es gerechtfertigt ist, einen (ziemlich großen) Teil der Kosten über den Werbeetat laufen zu lassen.