Die Stadt Halle hat ihr Gesicht verloren. Herb war es immer, verraucht auch, aber zum Schmelz aller Tausendjährigen kam das gewisse Etwas ungleich verteilter Türme. Die Marktkirche viertürmig, als Stadtmitte ein freistehender Glockenturm, der Dom turmlos. Türme überstehen die Zeiten, Patrizier- oder gar Trödelhäuser haben es schwerer. Doch kein Krieg, keine Leuna-Luft setzte der Saalestadt so zu wie die real-sozialistische Stadtgestaltung. Helga Paris hat für den Bildband „Diva in Grau – Häuser und Gesichter in Halle“ (Mitteldeutscher Verlag, Halle 1991; 49,80 DM), dem das Photo entnommen wurde, die Breschen im Altstadtgürtel und den obszönen Vorschub der Plattenbauten dokumentiert. Das Ausmaß der gedankenlosen Haussmannisierung zeigt sich vor allem, wenn man ihre Aufnahmen, die in den Jahren von 1983 bis 1985 entstanden sind, mit den historischen Photos von Walter Danz & Heinrich Ziegler vergleicht. Sie sind ebenfalls im Mitteldeutschen Verlag aufgelegt worden, unter dem Titel „Hallesche Straßenbilder 1931-1939“, 36,– DM.

In der Versehrten Stadt trifft Helga Paris auf trotzige Bewohner. Ihr Buch kennt keine Flaneure, aber Dichter wie Elke Erb, Heinz Czechowski und jüngere Autoren. Diese Texte aus abgelebten Zeiten wahren Halles Gesicht. JVy