Das schöne Lied, das wir in jüngeren (und froheren!) Tagen immer gern gesungen haben, lautete: „Mein Hut, der hat drei Ecken, drei Ecken hat mein Hut. Und hätt’ er nicht drei Ecken, dann wär’s auch nicht mein Hut.“ Das Lied kam uns in den Sinn, als wir die folgende dpa-Meldung lasen: „,Gott ist entweder unsterblich, oder er ist kein Gott.‘ Das betonte Erzbischof Johannes Dyba bei einem feierlichen Gottesdienst am Ostersonntag im überfüllten Fuldaer Dom.“

Es hat uns immer geschmerzt, daß der Erzbischof Dyba in wichtigen Fragen wie Abtreibung oder Homosexualität mit uns nicht einer Meinung war, und der Verdacht, er sei weder ein Kenner noch ein Genießer dieser Kolumne, bedrückte uns. Um so mehr freut es uns, daß Dyba nunmehr einer fundamentalen Wahrheit folgt, von der wir seit eben jenen Tagen, als dieses Lied uns munter von den Lippen ging, überzeugt sind. Wer es kennt (das Lied), der kennt auch die folgenden Strophen. Wir zitieren aus der sechsten: „Mein Hut, der hat acht Ecken...“

Der Unterschied zwischen Gott, wie ihn Dyba bündig definiert, und dem Hut, wie ihn das Lied weit weniger bündig definiert, liegt auf der Hand: Der Hut bleibt auch bei schwankender Zahl seiner Ecken der Hut. Gott hingegen ist nur dank seiner nicht schwankenden Unsterblichkeit Gott. Stürbe er, dann wäre er schon tot. Nietzsche hätte recht und nicht Norbert Blüm. Das kann aber nicht sein.

Auch der Gottlose macht sich ja an Ostern so seine Gedanken (zumal bei Kälte und Regen), und deshalb sind wir ein bißchen stolz darauf, daß wir so ganz nebenbei einen aposteriorischen Gottesbeweis aus dem Hut gezaubert haben. (Mit Dybas Hilfe, zugegeben.) Das führt uns zwanglos zu einem noch schwierigeren Thema. Der Mühlheimer Ernährungsexperte Bente Wassenaar (der Name klingt unglaubwürdig, aber so meldet es AP) hat das „qualvolle Hungern“ von Bundeskanzler Helmut Kohl über Ostern in Bad Hofgastein als „unnötig“ bezeichnet. Angesichts der Tatsache, daß täglich, und auch an Ostern, auf der Erde Tausende vor Hunger sterben, finden wir diese Bemerkung angebracht. Schon deshalb ist qualvolles Hungern in jedem Fall zu vermeiden, besonders aber in Kohls Fall.

Vor Jahr und Tag haben wir hier diesbezüglich unsere Sorge zum Ausdruck gebracht, und es erfüllt uns mit Genugtuung, daß auch Bente Wassenaar von einer Fastenkur mit „Tee, Wasser und alten Brötchen“ dringend abrät: „Das Problem dabei ist, daß Sie“ (so Wassenaar zu Kohl) „den Körper zwar entschlacken, der Stoffwechsel jedoch nicht aktiviert wird.“ (Der Stoffwechsel! Er ist das wöchentliche Problem dieser Kolumne, aber das nur nebenbei.)

Es ist nämlich so, sagte Bente W. zu Helmut K., „daß Ihre Körpergröße eine stattliche Figur bedingt“. Merken Sie, lieber Leser, liebe Leserin, liebes Leserchen, wie sich der Kreis schließt? Ebenso wie der Hut durch drei (oder mehr) Ecken bedingt ist, ist die Stattlichkeit Kohls durch seine Körpergröße bedingt. Kohl ist entweder stattlich, oder er ist nicht Kohl. Finis