Daß mir der Hund das Liebste sei, sagst du, o Mensch, sei Sünde. Der Hund bleibt mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde.

Außenstehenden vermittelt der Berliner gern den Eindruck, alles zu wissen, lieber noch, alles besser zu wissen. Wie selbstverständlich lebt er in historischen Dimensionen. Dabei steht er seinen Mann. Er hat einiges durchgemacht. Er weiß Bescheid. Aber wie sieht es in seiner Seele aus? Hat er überhaupt eine?

Er hat. Das Herz des Berliners schmilzt angesichts eines Pudels, der treuherzig zu ihm aufblickt und mit dem Schwänzchen wedelt. Wohl nirgendwo sonst kann eine Partei die meisten Stimmen auf sich vereinigen, wenn sie einen kleinen Rauhhaardackel auf ihren Wahlplakaten präsentiert. Etwa hunderttausend Hunde sind derzeit in Berlin ansässig. Ob nun der Pudel der Wilmersdorfer Witwe oder die Promenadenmischung des Kreuzberger Punks, der Neuköllner Kampfhund oder das Schöneberger Schoßhündchen, sie alle haben hier das große Los gezogen. Die Hunde sind die heimlichen Herrscher der Hauptstadt.

Kein Wunder also, daß das einzige Hundemuseum der Welt in Berlin beheimatet ist. Im ehemaligen Gesindehaus eines Bauernhofes in Blankenburg hat das Ehepaar Laske sein Lebenswerk rund um den Hund versammelt. Über zwanzigtausend Exponate füllen die sieben Ausstellungsräume bis in den letzten Winkel, ein Sammelsurium aus Plüsch, Porzellan, Gips, Keramik und Holz. Hunde in allen Lebenslagen blicken den Besucher an, auf Schmucktellern für die Wohnzimmerwand, Briefmarken, Postern, Sonderstempeln und Ehrenpreisen. Hundertköpfig drängen sich in einer Kammer Plüschhunde jeglicher Couleur. Ein Regal zeigt Gläser mit abnormen Welpengeburten, eingelegt in Formalin. Überlebensgroß ein Requisitenpudel aus dem Deutschen Theater. Hobbyarbeiten aus Hundehaar.

Die Sammelleidenschaft der Laskes kennt keine Grenzen, Banales steht neben Kuriosem, Alltagskitsch neben seltenen Stücken aus der Kulturgeschichte des Hundes. Ein Hundemusterungsbefehl vom 13. April 1945 fordert einen Berliner Bürger auf, „auf Grund des Reichsleistungsgesetzes den in Ihrem Besitz befindlichen Hund (auch Kleinhund) persönlich oder durch eine erwachsene (deutschsprechende) Person zur Hundemusterung vorzuführen“. Aus den schwierigen Anfängen der DDR sind Futtermittelscheine erhalten. Plakate und Preise von Rassehund-Ausstellungen dokumentieren das lebenslange Bemühen der Laskes um ein glückliches Hundeleben. Fünfzigtausend Besucher und eine Eintragung im „Guinness Buch der Rekorde“ waren bisher der Dank.

Den liebenden Berliner jedoch wird dieses Volksmuseum nicht gänzlich aus den Socken hauen. Für ihn ist ganz Berlin eine Art Freilichtmuseum in Hundefragen. Von seinen Mitmenschen erwartet der Berliner nur wenig Gutes. Was Herzensdinge angeht, ist auf seinen Hund Verlaß.

Ein besonderer Ort der Verehrung ist der Hundefriedhof in Lankwitz. Unter ruhigen Ulmen liegen die Gräber der lieben Vierbeiner, die ihren Haltern einst alles bedeuteten. Die Inschriften auf den Grabsteinen sprechen zum letzten Mal von ihnen. „Meine Wege werden einsam sein.“ Wehmut und liebende Erinnerung bestimmen die Worte, manchmal auch überwältigende Sehnsucht. „Ali – Du gewesenes Wunder.“ Oder ein Dank aus rauher Berliner Seele: „Bully – der treue Freund und Kamerad in allen Lebenslagen.“