Otto von Bayern – der Irre von Fürstenried

Von Willi Winkler

Im Märzen, wenn der Bauer sein Rößlein einspannt oder neuerdings seinen EG-genormten Traktor aus der Maschinenhalle fährt, das Motorenöl wechselt und die Schrauben am Mähbalken anzieht, im Märzen, wenn es andernorts gehörig lenzt, erwachen auch bei Georg Lohmeier regelmäßig frühlingshafte Gelüste.

Dann kribbelt es den Erfinder des "KgL-Bay. Amtsgerichts" ganz gewaltig: weil nämlich früher, in der Prinzregentenzeit (für Ausländer und andere Nordlichter: 1886 – 1912), nicht nur das Bier dunkel, sondern überhaupt alles viel besser war, soll alles wieder so werden wie in der "staaden Zeit". Ein "Kini" (bayr. f. König) muß wieder her.

Einer kürzlich bekanntgewordenen Enquete zufolge wünschen sich nicht weniger als 68 Prozent der Bayern eine Monarchie im Freistaat Bayern, und das, obwohl seit dem Tod des Chur- und Landesfürsten Franz Josef Strauß der rechte Prätendent zu fehlen scheint. Streibl? Stoiber?? Gauweiler??? Ja, mir gangst.

Den Lohmeier ficht das freilich kaum an; er weiß Rat und ist zum äußersten entschlossen. Lohmeier steht bereits in Verhandlungen mit dem Haus Wittenbach, will einen Angehörigen des Geschlechts, das 1918 wie alle andern deutschen Fürsten zur Abdankung gezwungen wurde, zum Monarchen küren und notfalls auch sanfte Gewalt aufbieten.

Wenig bekümmert ihn, daß die royalen Herrschaften sich inzwischen anderweitig umtun. Längst thronen sie auf dem Traktor, während Lohmeier noch sein Rößlein streichelt. Der eine ist vornehmlich damit beschäftigt, ein "König-Ludwig-Bier" zu lancieren und begehrt dafür Jahr für Jahr und Jahr für Jahr vergebens eine Ausschanklizenz auf dem Oktoberfest, ein anderer fährt mit staunenswürdiger Konsequenz Autos kaputt. Sie sind ein harmloses Völkchen, die Wittelsbacher. Selbst für die Herz- und Krone-Blätter sind sie wenig ergiebig, bescheiden sie sich doch in aller Regel damit, ihre Apanage von jährlich etwa vierzig Millionen Mark im stillen zu verzehren. Die spendiert der Freistaat Bayern seinen früheren Herrschern als Entschädigung für die verlorene Herrscherwürde.