Ihr Sohn ist seit zehn Jahren tot. Er war siebenunddreißig Jahre alt, als er starb. Auf seinem Grabstein fehlen bis heute die Lebensdaten.

LISELOTTE EDER: Weil er für mich nicht gestorben ist. Wenn ich zum Friedhof gehe und über mir das Geräusch eines Flugzeugs höre, schaue ich hoch und denke, wo fliegt der Rainer jetzt wieder hin.

Wie oft gehen Sie auf den Friedhof?

EDER: Früher bin ich jeden Tag hingegangen, heute nicht mehr so oft. Das Seltsame ist, daß auf dem Grab keine Pflanzen gedeihen. Ich gieße sie, aber sie wachsen nicht, so als wollten sie mir ein Zeichen geben: Hier liegt kein Toter, der Rainer lebt.

Sie haben darum gekämpft, daß er auf dem Münchner Prominentenfriedhof in Bogenhausen begraben wird.

EDER: Ich habe nicht gekämpft. Dazu wäre ich gar nicht fähig gewesen. Das haben andere getan. Ich habe wie paralysiert in meiner Wohnung gesessen. Daß er in Bogenhausen begraben wird, lag nahe, weil ich hier wohne, und ich fand es auch irgendwie angemessen, weil dort so viele berühmte Leute liegen. Aber gekämpft habe ich nicht. Die Münchner CSU war dagegen, die SPD hat sich dafür eingesetzt.

Fühlten Sie sich schuldig am Tod Ihres Sohnes?