Was den Bullen zunehmend durch künstliche Besamung verwehrt wird, dürfen Zuchthengste meist noch selbst bewerkstelligen; Die Befruchtung via naturalis. Doch leider ist das Deckungsgeschäft nicht ganz ohne Risiken. Auch wenn Natur pur angesagt ist, müssen Veterinäre bisweilen nachhelfen. Einerseits drohen Infektionen, andererseits riskieren die Hengste Verletzungen, wenn die auserkorene Stute, statt in Duldungsstarre zu verfallen, im entscheidenden Moment keilt und dabei empfindliche Körperteile trifft.

Von einem solchen Arbeitsunfall und dessen ungewöhnlicher Therapie berichtete das britische Wissenschaftsmagazin New Scientist (Nr. 1811, S. 8). Das unglückliche Opfer war ein Suffolk-Zuchthengst, dem eine unwillige Stute einen Huftritt verpaßt und dadurch eine schmerzhafte Schwellung am Fortpflanzungsorgan zugefügt hatte. Dem herbeigeeilten Veterinär Philip Ryder-Davies gelang es mit konventionellen Mitteln nicht, die ödemanige Schwellung einzudämmen. Das getroffene Organ schwoll drei Tage lang immer weiter und nahm besorgniserregende Formen an.

Die Berufskarriere des Hengstes schien bereits besiegelt, als dem Medikus die rettende Idee kam. Er erinnerte sich an ein Schulexperiment zum Thema Osmose: Man nehme ein Ei, befreie es ganz vorsichtig von seiner Schale, dergestalt daß die zarte Eihaut unverletzt bleibt. Wird das dünnhäutige Ei anschließend in eine konzentrierte Zuckerlösung gelegt, dann beginnt es zu schrumpfen. Osmose heißt der Effekt, wenn eine feine Membran halbdurchlässig ist, in diesem Falle kleine Wassermoleküle herüberläßt in den dicken Zuckersirup, aber keine großen Zuckermoleküle hinein ins gepellte Ei.

Gedacht, getan, der clevere Veterinär gurtete dem verletzten Hengst einen großen Kanister mit Sirup unter den Leib und versenkte das geschwollene Gemächte ins zähflüssige Naß. Und siehe da, binnen 24 Stunden war der Hengst wieder in Form.

Grundsätzlich, so bestätigte ein Spezialist in Membranbiologie dem britischen Fachblatt, sei es möglich, geschwollenen Organen durch eine hochkonzentrierte Lösung aus Zucker oder Salz Wasser zu entziehen und damit ein Ödem zu lindern. Womit auch endlich klar wäre, warum das Tote Meer so ist, wie es heißt: In einer solch konzentrierten Salzlösung, vermehrt sich einfach nichts. HST