DIE ZEIT

Geschichte mit Ballast

Es ist eigentlich ein ganz normaler Vorgang: Israel bittet die Bundesrepublik um finanzielle Unterstützung für die Eingliederung der vielen jüdischen Einwanderer, Bonn prüft das Begehren, hält allenfalls sehr viel niedrigere Beträge als die erbetenen zehn Milliarden Mark für realistisch und schiebt im übrigen die Entscheidung auf die lange Bank, möglichst auf die Zeit nach den israelischen Wahlen im Juni.

Kostenspiele

Olympische Spiele und Weltausstellungen mögen ja manches für sich haben. Wenn der Sport-Lärm verklungen ist, bleibt vieles zurück: Stadien, Schwimmhallen, Untergrundbahnen und Hochstraßen.

Gibt es Streik?

Viel steht auf dem Spiel. Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst, bei Post und Bahn entscheiden in dieser Woche über einen Arbeitskampf.

Stolpes Taten

Eine Kollektivhysterie scheint ausgebrochen. Mit Recht stellte Ministerpräsident Rau verwundert fest: „Wir haben doch auch nach 1945 keinen danach beurteilt, was die Gestapo über ihn gesagt hat, sondern danach, was wir mit ihm erlebt haben.

Stählernes Gehabe, eiskalter Haß

Die RAF-Kommandeure wollen der Gewalt absagen: Dies markiert das Ende einer Epoche. Oder doch nicht? Das zwischen Nachdenklichkeit und Drohungen schwankende Schreiben der Roten Armee Fraktion hat eine wilde Diskussion ausgelöst.

Worte der Woche

„Im Rahmen des Verantwortbaren sollten mit der Bereitschaft der RAF, auf weitere Gewalt zu verzichten, Erleichterungen bei den Haftbedingungen gewährt und gesetzliche Möglichkeiten vorzeitiger Haftentlassungen ausgeschöpft werden.

Zeitspiegel

Einen Tag nach dem Fest kommen, ebenso verspätet wie überflüssig, die besten Ostergrüße von „Ihrem Berlin 2000 Olympia-Bärchen“ auf den Tisch – in der graphischen Gestaltung einfallslos, um nicht zu sagen: primitiv.

Bonner Bühne: Stille vor dem Sturm

Es war mal wieder nichts Rechtes mit diesem Wetter: Sonne zu spät, davor viel Regen und noch mehr Wind. Also kein Osterspaziergang zu den vielen Kränen, mit denen Bonn wie an einem steinernen Nachruf auf sich selber baut.

Nachlese: Rußlands Volksdeputierte: Das letzte Forum

Am Ende behielt Boris Jelzin im Machtkampf mit seinen Gegnern im Kongreß der Volksdeputierten die Oberhand: Die mehr als tausend Abgeordneten haben sich nach hitzigen Wortgefechten doch noch entschlossen, das radikale Reformprogramm der Moskauer Führung zu unterstützen und die Sondervollmachten des Präsidenten – wie von ihm gefordert – bis zum 1.

Rückblick: Iran nach der Wahl: Schlange oder Skorpion?

Gewonnen hat er, haushoch gar, der iranische Staatspräsident Haschemi Rafsandschani. Seine Anhänger, die sich – weil Parteien im Land verboten sind – „Gesellschaft der kämpferischen Kirchenmänner“ nennen, haben die bisherige Mehrheit der Radikalen, die den Namen „Gesellschaft der militanten Kirchenmänner“ führen, gebrochen.

Weltbühne: Ende der Schonzeit

Die britischen Konservativen sind mit dem vierten Wahlsieg in Folge ihrem Ziel näher gekommen, sich dauerhaft als Regierungspartei zu etablieren.

Die Komsomolzen des Propheten

Das Teehaus im Zentrum von Duschanbe, der Hauptstadt der Republik Tadschikistan, ist überfüllt von Straßenhändlern, die hier in den frühen Abendstunden vor dem Fernseher hocken und ihre schurba, die Fleischsuppe, essen.

Niedersachsen: Runde um Runde

Ein 40 000 Einwohner zählendes Städtchen führt einen Glaubenskrieg um der Deutschen Prestigesymbol und Umweltschädling Nummer eins: das Auto.

Nordrhein-Westfalen: Gestörte Hunde sind auch Hunde

Die Ausfallstraße mündet in einen holprigen Feldweg mit großen Schlaglöchern. Hinter einem hohen Maschendrahtzaun zur Rechten erstreckt sich ein weitläufiges Kasernengelände der belgischen Streitkräfte.

Deutschländchen

„Auf der Suche nach einem geklärten Verhältnis zur DDR-Vergangenheit hat die Gauck-Behörde mittlerweile den Einfluß einer moralischen Sonderanstalt, die politisch freistempelt oder eben auch nicht.

Niedersachsen: Mahnmal ohne Wert

Lea Rosh versteht die Welt nicht mehr. Da wollte sie den jüdischen Opfern des Nationalsozialismus in Hannover ein Mahnmal setzen, und jetzt weht ihr der Wind ausgerechnet aus Richtung der Nachfahren der Verfolgten und Gemordeten direkt ins Gesicht.

Baden-Württemberg: Bürgermeister ohne Glück

Es ging um den Hauptwohnsitz eines Gemeinderates, dessen Familie vor kurzem weggezogen ist. Um sein Mandat behalten zu können, hat sich dieser Gemeinderat schnell noch bei seiner Großmutter im Dorf mit Hauptwohnsitz angemeldet.

Autofahrer: Nicht Normal

Die pädagogischen Qualitäten von Fahrlehrern lassen zu wünschen übrig, das weiß jeder Autofahrer, denn um ihn herum auf den Straßen wimmelt es nur so von Dränglern, Parkrüpeln und Vogelzeigern.

Treuhand: Fast ideal

Die Treuhandanstalt zeigt es ihren Kritikern. Bald, so hatten die Experten bereits vor Monaten vorausgesagt, würden die Filetstücke der ostdeutschen Staatswirtschaft ausverkauft sein.

Bonner Kulisse

Der Versuch des Vorstandsvorsitzenden der Telekom, Helmut Ricke, Teile seines Unternehmens den Nachstellungen des Bundesrechnungshofes in Frankfurt zu entziehen, ist dort erkannt und nun auch gerügt worden.

Mietrecht: Total egal

Mietexplosion und Wohnungsnot zwingen die Bundesregierung zum Handeln – sollte man meinen. Als sei ihr das herzlich egal, brütet die Bonner Koalition schon seit mehr als fünfzehn Monaten über einer Änderung des Mietrechts.

Ostdeutschland: Der große Sprung

Wer Peter Daetz (62) auf die Palme treiben will, braucht ihm nur einen ungeliebten Titel verleihen. Nein, Geschäftsführer einer Beschäftigungsgesellschaft will er auf keinen Fall sein.

Bis zur Sommerpause will die Bundesregierung ein Konzept für eine Pflegeversicherung vorlegen. Union und FDP streiten um die Finanzierung. In der Dikussion stehen nun Vorschläge, die das Pflegeproblem nicht lösen.: Eine halbe Sache

Die Betreuung von Pflegebedürftigen ist in Deutschland noch immer Teil der "Armenfürsorge". In den alten Bundesländern sind siebzig Prozent der stationär in Pflegeeinrichtungen versorgten Menschen auf Sozialhilfe angewiesen; bei den häuslichen Pflegefällen dürfte es ein Viertel sein.

Markt-Report: Warten auf Streiks

Trotz schwächerer Vorgaben aus Tokio und New York ist der deutsche Aktienmarkt bemerkenswert widerstandsfähig in die Nachosterwoche gestartet.

Teure Gewinne

Unternehmen haben es schwer mit dem Standort Bundesrepublik – so jedenfalls das allgemeine Credo deutscher Firmen. Ein internationaler Steuervergleich des industrienahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) relativiert diese Ansicht.

Manager und Märkte

Escada: Expansion in der Flaute Peugeot: Maastricht und die Apokalypse Dasa: Subventionssorgen wegen Gatt

Die zweite Offensive

Bei der politischen Neuordnung der Welt nach dem Kalten Krieg stand Japan bisher im Abseits. Die osteuropäischen Revolutionen ereigneten sich in zwölftausend Kilometer Entfernung.

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